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Buchtipp: Lebensendentscheidungen bei Menschen mit einer
kognitiven Beeinträchtigung

Buchtipp: Lebensendentscheidungen bei Menschen mit einer <br>kognitiven Beeinträchtigung

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Lebensendentscheidungen bei Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung: Die Studie beleuchtet die Rollen der einzelnen Personen in der Entscheidungsfindung. (Bild:Titelbild der Dissertation, © Maksim Chumak, Ukraine)

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Daniela Ritzenthaler
Daniela Ritzenthaler ist Heilpädagogin. Sie promovierte am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich und arbeitet heute als Dozentin, Forscherin und Beraterin im Bereich Medizinethik und Heilpädagogik. www.ethikbildung.chAchtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster

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24. Februar 2017 / Medien

Eine qualitative Studie von Daniela Ritzenthaler-Spielmann

Am Lebensende stehen bei vielen Patientinnen und Patienten medizin-ethische Entscheidungen an. Besonders komplex sind solche Entscheidungen, wenn die Patienten nicht (mehr) entscheidungsfähig sind und Angehörige, Beistände und Ärzte anstelle der Patienten entscheiden müssen. In einer Studie ging die Autorin der Frage nach: Wie sterben Patientinnen und Patienten mit geistiger Beeinträchtigung? Werden ihre Wünsche in Bezug auf das Lebensende berücksichtigt, werden die Wünsche überhaupt befragt?
In den meisten Situationen war der mutmassliche Wille der Person nicht bekannt oder nicht eindeutig.

Die Autorin führte Leitfaden-Interviews mit Fachpersonen in den sozialen Institutionen, welche die Person in der letzten Lebenszeit begleitet haben, sowie mit den behandelnden Ärzten und mit betroffenen Angehörigen. Die Resultate zeigen, dass alle Beteiligten sehr bemüht waren, eine Entscheidung einerseits nach dem mutmasslichen Willen, anderseits im besten Interesse der betroffenen Person zu treffen. In den meisten Situationen war der mutmassliche Wille der Person nicht bekannt oder nicht eindeutig.

Was gibt den Ausschlag für oder gegen eine Therapie?

Daniela Ritzenthaler-Spielmann wollte mit ihrer Arbeit die Rollen der einzelnen Personen in der Entscheidungsfindung beleuchten, sowie die Frage, was letztlich den Ausschlag für oder gegen das Einsetzen einer medizinischen Therapie gegeben hat. Ihre Studie ist nun als Monographie im Verlag Klinkhardt forschung erschienen. Detailliert beschriebene Fallgeschichten zeigen, wie Entscheidungsfindungsprozesse in Institutionen für geistig beeinträchtigte Menschen ablaufen und wie die Beteiligten diese Entscheidungen am Lebensende eines Patienten erleben.
Die Angehörigen fühlen sich oft allein mit der Entscheidung.

Die Studie zeigt auf, dass der mutmaßliche Wille von Personen mit kognitiver Beeinträchtigung oft unklar ist und deshalb meist die Angehörigen an ihrer Stelle entscheiden. Die Angehörigen fühlen sich aber oft allein mit dieser Entscheidung und insbesondere den Verzicht auf lebenserhaltende Massnahmen empfinden sie als sehr belastend; sie fragen sich noch lange, ob diese Entscheidung richtig war. Die Institution, in der die Menschen leben, beeinflusst wiederum je nach (Wert-)Haltung, ob jemand am Lebensende hospitalisiert wird oder nicht und die Haltung der Hausärztin lenkt die Entscheidung, ob ein Patient noch Therapien erhält und falls ja, welche.
D. Ritzenthaler-Spielmann / klinkhardt / palliative zh+sh, ei