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Buchtipp: «Was heisst: in Würde sterben?»

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25. September 2015 / Wissen
Was heisst eigentlich «selbstbestimmtes Sterben»? Welche medizinischen, rechtlichen, ethischen, philosophischen und theologischen Aspekte gilt es zu berücksichtigen?

Zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Marcus Knaup hat Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen, den Sammelband «Was heisst: in Würde sterben? Wider die Normalisierung des Tötens» veröffentlicht, in dem die beiden gemeinsam mit Expert_innen unterschiedlicher Fachdisziplinen kritisch die in der Sterbehilfe-Debatte vorgebrachten Argumente diskutieren und die Frage beantworten wollen, wie ein würdiges Sterben aussehen könnte.

Für Hoffmann liegt diese Diskussion im Trend einer Zeit, in der sich die physisch alternden Gesellschaften des Westens dazu entschieden haben, das Leben und Sterben von Menschen möglichst umfassend durchzuregulieren: «Offensichtlich gewinnt eine Mentalität des Machens immer mehr an Boden: Das Leben wird nicht mehr als Geschenk, als Vor-Gabe, betrachtet, sondern als Machwerk, etwas, das in unserer Macht liegt.» Auch der Tod solle demnach gemacht und damit das Sterben kontrolliert werden. Dabei werde eine Normalisierung des Tötens in Kauf genommen.

Marcus Knaup: «Es gibt inzwischen irritierende Stimmen: etwa solche, die meinen, das Töten gehöre – anders als seit der Antike im europäischen Arztethos verankert – heute zur Aufgabe des Arztes. Oder solche, die argumentieren, angesichts der zunehmenden demographischen Schieflage in Europa müssten Mittel und Wege zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme gefunden werden, die auch die Verkürzung von Lebenserwartungen einschliessen.» Und zur Begründung dienten oft ihrem Gehalt nach anspruchsvolle Konzepte wie Autonomie und Menschenwürde – ohne, dass geklärt werde, ob man aus ihnen Tötungshandlungen gegenüber anderen oder sich selbst überhaupt ableiten kann.

Werde das Töten zu einer «normalen» Option, habe das Konsequenzen, warnen die Herausgeber: «Die Menschen werden immer älter, die Kosten für Pflege steigen – der Verdacht liegt zumindest nahe, dass die Diskussion um den assistierten Suizid in Deutschland auch aus Gründen der Kostenersparnis neu entflammt ist.»

Der Sammelband «Was heisst: in Würde sterben? Wider die Normalisierung des Tötens» ist bei Springer VS erschienen.