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Bundesrat will Palliative Care stärken

Bundesrat will Palliative Care stärken

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In naher Zukunft werden ältere Menschen die wichtigste Zielgruppe der Palliative Care sein. (Symbolbild: Adobe Stock)

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18. September 2020 / Politik
Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 18. September 2020 den Bericht zum Postulat «Bessere Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende» verabschiedet. Der Bericht zeigt auf, wie die allgemeine und spezialisierte Palliative Care Versorgung in der Schweiz langfristig und nachhaltig verankert werden soll. Der Schweizer Dachverband palliative ch fordert nun nach konkreten Massnahmen.
palliative ch erachtet es als zwingend, den im Postulatsbericht aufgezeigten Lücken Massnahmen entgegen zu setzen, welche zu einer deutlichen Verbesserung der Betreuungs- und Behandlungsqualität von Menschen am Lebensende führen – und zwar stationär wie auch ambulant.

Palliative Care für ältere und gebrechliche Menschen
In naher Zukunft werden ältere Menschen die wichtigste Zielgruppe der Palliative Care sein. Sie leiden oft an einer Vielzahl verschiedener chronischer Erkrankungen. Die Pflege dieser fragilen, mehrfach kranken Menschen ist komplex und anspruchsvoll. Oft führen akute Ereignisse wie eine Lungenentzündung oder ein Oberschenkelhalsbruch nach einem Sturz in Kombination mit den abnehmenden Reserven in den Tod.
Die Verletzlichkeit älterer Personen zeigte sich auch während der Covid-19-Pandemie im vergangenen Frühling: Mehr als die Hälfte der Covid-19-Todesfälle ereignete sich in Pflegeheimen oder zu Hause. Bei der Behandlung und Begleitung dieser Menschen am Lebensende spielt Palliative Care eine zentrale Rolle: um belastende Symptome zu lindern, bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, um die Behandlung vorausschauend zu planen und um die Patientinnen, die Patienten und ihre Familien in psychosozialer und spiritueller Hinsicht zu begleiten.

Finanzierung der Palliativversorgung sicherstellen
Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben. Damit dies möglich ist, braucht es ein tragfähiges Beziehungsnetzwerk aus Angehörigen, Spitex-Diensten, der Hausärztin oder dem Hausarzt. Ein spezialisierter mobiler Palliativdienst kann dieses Netzwerk unterstützen und Krisensituationen abfedern. In Bezug auf die Abgeltung all dieser Palliative Care Leistungen müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Hausärztinnen und Hausärzten ermöglichen, ihre Patientinnen und Patienten auch am Lebensende weiter zu betreuen. Um den Zugang zu spezialisierter Palliative Care für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen zu verbessern, ist die Abgeltung über kantonale Leistungsaufträge für mobile Palliativdienste notwendig.

palliative ch setzt sich für ein umfassendes Palliative Care Verständnis und fordert:
  • Palliative-Care-Angebote müssen besser in die Gesundheitsversorgung integriert werden, damit die Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende verbessert werden kann. Dies beinhaltet den Beizug von Fachpersonen der spezialisierten Palliative Care in andere Fachbereiche und Betreuungssettings, die gemeinsame Planung von Übergängen (z.B. Spitaleintritte und -entlassungen), koordinierte Zusammenarbeit sowie den Informationsaustausch.
  • Die Vernetzung der behandelnden Akteure in den verschiedenen Fachbereichen (z.B. Palliative Care und Psychiatrie, Pädiatrie, Geriatrie, Sozialpädagogik) muss gestärkt werden, um eine kontinuierliche Versorgung für alle Patientinnen und Patienten sicherzustellen.
  • Die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte, welche oft auch Heimärztinnen und Heimärzte sind, muss durch gezielte Anreizsystem und Förderung der Kompetenzen und des Wissens über die Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende gestärkt werden. Dazu gehört die Optimierung einer ausreichenden finanziellen Abgeltung.
  • Damit ein flächendeckender Zugang zu Palliative Care für alle betroffenen Menschen in der Schweiz möglich ist, müssen Anstrengungen unternommen werden, um die Palliative Care und deren Angebote bei der Bevölkerung besser bekannt zu machen.

Die Fachgesellschaft palliative ch bietet sich an, die Umsetzung der im Postulatsbericht avisierten Massnahmen mittels ihrer multiprofessionellen Expertise aktiv zu unterstützen.
Die Präsidentin von palliative ch, die Tessiner Ständerätin Marina Carobbio Guscetti, stellt fest: «Das Palliative-Care-Angebot steht leider auch heute noch nicht so umfassend und für Alle zur Verfügung, wie es nötig wäre. Insbesondere im ambulanten Bereich und in den Pflegeheimen gibt es Lücken. Hier sehen wir das grosse Potential der Hausärztinnen und Hausärzte, welche häufig auch als Heimärztinnen und -ärzte engagiert sind. Der Bund und die Kantone sind aufgefordert, diese Versorgungslücken mit konkreten Massnahmen und finanziellen Rahmenbedingungen anzupacken. Mittelfristig soll Palliative Care im Krankenversicherungsgesetz KVG als eigenständige Leistung erfasst und dadurch sowohl ambulant wie stationär finanziert werden können.»
palliative ch, gme