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«Eigenwillig und einzigartig, nicht krank und ausgeliefert»

«Eigenwillig und einzigartig, nicht krank und ausgeliefert»

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Gemeinschaften mit eigenem Budget: Sie gestalten ihren Alltag selber, sie kaufen ein und kochen zusammen, feiern Feste und gehen zusammen ins Kino oder an den Rhein. So lebt es sich im Haus Schönbühl in Schaffhausen (Bild: zVg).

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16. August 2018 / Region
Zunehmend anerkennen Altersheime den Wert von guter Betreuung als Ergänzung zur Pflege. Diesem Thema widmend veröffentlichte kürzlich die Paul Schiller Stiftung den Artikel «Eigenwillig und einzigartig, nicht krank und ausgeliefert». Geschrieben hat ihn Theo Deutschmann, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Lebensqualität in Schaffhausen. Deutschmann beleuchtet in klaren Worten, wie gute Betreuung als Ergänzung zur Pflege in den Alltag integriert und gelebt werden kann.
Bauliche Neuerungen im Jahr 2002 waren die ersten Schritte der äusseren Veränderung im Haus Schönbühl. Anstelle von Stationen entstanden überschaubare Wohngruppen und aus Stationszimmern wurden Büros. Aber nicht nur äusserlich galt es, die Veränderung zu gestalten – etablieren von Betreuung als Ergänzung zur Pflege –, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden geschult. So herrschte vor den eingeleiteten Veränderungen bei den Patientenrapporten das medizinische Gedankengut aus dem Spital vor. «Aber eine Langzeiteinrichtung ist kein Spital», benennt es Deutschmann, «und das mussten auch die Mitarbeitenden zuerst lernen.» Mit der Einführung eines Ethik-Forums wurde ein zusätzliches Gefäss geschaffen, in dem das Personal auch heikle Themen ansprechen könne.
«Die Dominanz der Pflege wollte ich brechen.»
Theo Deutschmann, Geschäftsführer

Pflegende und Betreuende sollten sich auf gleicher Augenhöhe begegnen. Theo Deutschmann: «Die Dominanz der Pflege wollte ich brechen.» Deshalb schaffte man die klassische Pflegedienstleitung ab und führte die Bereichsleitung «Betreuung und Pflege» ein. «Und zwar mit «Betreuung" an erster Stelle», so Deutschmann.

Das Modell «Wohngruppe» entwickelte sich im Lauf der Zeit zu teilautonomen Hausgemeinschaften mit eigenem Budget. In diesen Hausgemeinschaften arbeiten Menschen mit Pflegeausbildung Hand in Hand mit Sozialpädagogen und weiteren Berufsleuten, und «alle lernen voneinander», sagt Theo Deutschmann.

Hinter all diesen Massnahmen steckt die Grundidee, dass man weg wolle vom Menschen, der «nur» gepflegt werden müsse. Selbstverständlich bekomme er Pflege, wenn er diese brauche. «Aber in erster Linie ist der Mensch eigenwillig, autonom und einzigartig, nicht krank und ausgeliefert. Das ist ein gewaltiger Perspektivenwechsel.»
Paul Schiller Stiftung, palliative zh+sh, cbu