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Fünf Fragen an Rosa Grunder

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Rosa Grunder

Die Pflegefachfrau arbeitet seit 25 Jahren im Stadtspital Triemli. In den letzten Jahren engagierte sich Rosa Grunder für den Aufbau und die Konsolidierung des Konsiliardienstes für spezialisierter Palliative Care am Stadtspital Triemli.

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28. Juni 2018 / Region
Damit Betroffene (Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen) palliativ betreut und begleitet werden können, braucht es den Einsatz von Fachpersonen und Freiwilligen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Pallnetz.ch interviewt regelmässig Menschen aus der Region, die in Palliative Care tätig sind und stellt allen dieselben fünf Fragen. Rosa Grunder ist Pflegeexpertin im Palliative-Care-Konsiliarteam des Zürcher Stadtspitals Triemli
1) Wie begleiten Sie Schwerkranke und Sterbende?

Ich begleite sie als Teil eines interprofessionellen Teams. Als Pflegeexpertin arbeite ich im Konsiliardienst Palliative Care im Akutspital im Tandem mit zwei Palliative-Care-Ärztinnen. Wir arbeiten intensiv mit den Fachpersonen zusammen, die die Betroffenen in erster Linie betreuen und wir beraten Schwerkranke und ihre Angehörigen. Meist geht es um Unterstützung bei schwierigen Entscheidungsfindungen und um vorausschauende Planung. Dafür braucht es ein Gespräch mit den Betroffen über die belastenden Symptome, über Prioritäten und Sorgen. Danach beraten und unterstützen wir aber hauptsächlich das Behandlungsteam. Ich bespreche mit den zuständigen Pflegenden auf der Station, wie sie konkret die Symptome lindern könnten und wie wir gemeinsam eine schwierige Situation besser verstehen und meistern können. Ich «arbeite nicht mehr am Bett», wie man so sagt. Doch ich sitze häufig neben dem Bett von Schwerkranken, beobachte, stelle Fragen und höre zu. Es ist ein Privileg, pflegerisch so konzentriert arbeiten zu dürfen.
«Es braucht einen bewussten Umgang mit der Zeit, mit der Geschwindigkeit der Arbeit.»


2) Was ist Ihr Ziel bei der täglichen Arbeit?

Ich möchte, dass die Methoden und Haltungen der Palliative Care in allen anderen Disziplinen der Medizin und Pflege Schule machen. Mein Ziel ist es, so viel Patientenzentrierung und Entschleunigung wie möglich mitten im hektischen Spitalbetrieb zu praktizieren, sei es, indem ich bei Patientinnen und Patienten am Bett sitze und mit ihnen spreche, im Familiengespräch oder im interprofessionellen Austausch.


3) Was braucht es, damit Sie Ihr Ziel erreichen können?

Es braucht einen bewussten Umgang mit der Zeit, mit der Geschwindigkeit der Arbeit. Im Akutspital gibt es einen sehr starken Trend zu normierten Abläufen und zu Behandlungspfaden. Wenn ich als Pflegende den Bedürfnissen der kranken Menschen gerecht werden will, dann muss ich je nach Situation schnell oder langsam arbeiten können. Ich muss mir den Freiraum für intensives Da-Sein nehmen können, meist braucht es dafür gar nicht so viel Zeit. Viele Pflegende haben oder sehen diesen Freiraum nicht mehr.
«Ich muss mir den Freiraum für intensives Da-Sein nehmen können, meist braucht es dafür gar nicht so viel Zeit.»


4) Welche Begegnung, welches Ereignis hat Sie zuletzt persönlich berührt?

Häufig berühren mich Familiengespräche sehr. Es ist erstaunlich, wie offen und ehrlich die Angehörigen von Schwerkranken ihre Anliegen und Sorgen auf den Tisch legen, manchmal kämpferisch, manchmal traurig oder beides gleichzeitig. Bei solchen Gesprächen ist man wirklich am Puls des Lebens und lernt viel dazu.

Es berührt mich aber auch, wenn Kranke, die am Ende ihres Lebens sind und keine Angehörigen haben, darum bitten, «nicht weitergeschoben» zu werden, sondern im Spital sterben zu dürfen, weil sie sich hier sicher und geborgen fühlen.

5) Wo sehen Sie Handlungsbedarf in der Palliative Care?

Wir müssen herausfinden, wie wir uns am besten in die Grundversorgung einbringen, dass wir wirklich dort sind, wo uns die Betroffenen brauchen. Es gibt verschiedene Modelle von spezialisierter Palliative Care, wir sollten forschen und vergleichen, welche die breiteste Wirkung haben.
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