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Fünf Fragen an Katerina Gnehm

Fünf Fragen an Katerina Gnehm

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Katerina Gnehm wünscht sich mehr Sensibilisierung und Sichtbarkeit von palliativen Themen in der Gesellschaft. (Grafik: gme)

Portrait

Steckbrief Katerina Gnehm

Name: Katerina Gnehm
Alter: 49
Beruf/Funktion: Ganzheitlich-integrative Atemtherapeutin in Ausbildung, Zen Meditationsleiterin, Spiritual Care Begleiterin und Pflegehelferin
Arbeitsort (Institution): Freischaffend

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14. Juni 2021 / Vermischtes
Damit Betroffene (Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen) palliativ betreut und begleitet werden können, braucht es den Einsatz von Fachpersonen und Freiwilligen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Pallnetz.ch interviewt regelmässig Menschen aus der Region, die in Palliative Care tätig sind und stellt allen dieselben fünf Fragen. Heute an Spiritual-Care-Begleiterin und Atemtherapeutin Katerina Gnehm.
1) Weshalb arbeiten Sie in der Palliative Care?

Meine Erfahrung liegt vor allem im Bereich Spiritual Care - in einem weiten Sinne und mit verschiedenen Traditionen. Ich hoffe, mehr mit Menschen in einer palliativen Situation arbeiten zu dürfen, denn das war meine Hauptmotivation, als ich mit meinen Weiterbildungen und meine Praxis begann. Ich erlebe Spiritual Care als eine Auseinandersetzung mit bestimmten Lebensbereichen innerhalb der Gesamtheit der Palliativversorgung.

Als ich mit einer regelmässige Meditationspraxis begann, fing ich an, über die Vergänglichkeit des Lebens mit all seinen Facetten - inklusive Krankheit und Leiden - nachzudenken. Mir fiel auf, dass es zwar viele öffentliche Debatten über den frühen Phasen des Lebens gibt, wie Geburt, Kindheit und Kinderbetreuung, aber nur wenig öffentlichen Diskurs über den Lebensabend und den Tod. Mir scheint auch, dass es in unserer Gesellschaft wenig Sichtbarkeit und formale Anerkennung für die Menschen gibt, die sie pflegen und begleiten, wie zum Beispiel auch Angehörige.

Ich sehe Palliative Care als eine sanfte Art der Versorgung mit mehreren Unterstützungsebenen. Vor einigen Jahren wurde mir klar, dass ich mich weiterentwickeln wollte, um Menschen in schwierigen Situationen zur Seite stehen zu können.

2) Was ist Ihnen bei der täglichen Arbeit am Wichtigsten?

Genügend Zeit einplanen und achtsam präsent sein: zuhören und wahrnehmen, was die Menschen bewegt.

3) Was tun Sie konkret, um dies zu erreichen?

Zunächst schaffe ich einen sicheren Raum, in dem wir ohne Unterbrechungen sein können, und danach nehmen wir uns Zeit, um Schritt für Schritt Vertrauen aufzubauen. Falls sinnvoll und möglich, machen wir beim ersten oder zweiten Treffen eine spirituelle Anamnese. Wir erkunden die Phänomene, die auftauchen, die vielleicht ausführlicher oder in einer bestimmten Form aufgegriffen werden können. Meine Klientinnen und Klienten gehen den Weg; ich sehe mich als Begleiterin und gebe dabei Impulse. Es ist ein dynamischer Prozess.
Manchmal sitzen wir in der Stille oder, wenn es möglich ist, verbringen wir Zeit im Freien. Manchmal gestalten wir ein kleines Ritual.
«Spiritualität hat verschiedene Formen und Ausprägungen, es geht jeweils darum, die richtige Sprache zu finden.»

4) Welche Geschichte ist Ihnen in besonderer Erinnerung?

Bei meinen Begegnungen scheint mir unter den Menschen, denen ich zuhöre, ein gemeinsames Thema zu geben: eine tiefe Wertschätzung dafür, in ihrer spezifischen Situation gehört und gesehen zu werden. Sie schätzen auch die Herzlichkeit und die Zeit, die wir uns nehmen, um über ihre eigenen Quellen der Kraft und die spirituelle Dimension zu sprechen. Spiritualität hat verschiedene Formen und Ausprägungen, es geht jeweils darum, die richtige Sprache zu finden.

Ein Beispiel war ein Klient, der wegen einer Atembehandlung zu mir kam und später Meditation als die Quelle seiner Kraft entdeckte.

5) Was muss sich in unserer Branche ändern?

Ich würde mir wünschen...

Die Sensibilisierung für und Sichtbarkeit von palliativen Themen in unserer Gesellschaft.

Veranstaltungen und Kampagnen, um die Öffentlichkeit zu informieren. Niederschwellige Angebote (z.B. Schulungen) anbieten für Angehörige, die sich engagieren, und Fachpersonen im Gesundheitswesen, die zusätzliche Aspekte in ihrer Arbeit einbringen möchten.

Engagement innerhalb, sowie ausserhalb (z.B. auf politischer Ebene) von Fachgruppen und Institutionen zur Finanzierung von Palliativeinrichtungen sowie für die Schaffung von Arbeitsplätzen, Plattformen und einem inklusiven Umfeld für Spiritual-Care-Betreuer und Betreuerinnen, die mit Palliativteams zusammenarbeiten und diese unterstützen möchten.

Vor allem würde ich mir wünschen, dass die Fachpersonen im Gesundheitswesen auch die Möglichkeit haben, sich mehr Zeit zu nehmen, um den Menschen in ihrer Betreuung zuzuhören, um ihre Bedürfnisse wahrzunehmen.
palliative zh+sh, Gabriela Meissner