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Leitlinien für Spiritual Care in der Palliative Care

Leitlinien für Spiritual Care in der Palliative Care

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20. September 2018 / Vermischtes
Kürzlich hat die Task Force «Spiritual Care» unter der Leitung von Prof. Dr. Simon Peng-Keller die «Spiritual Care in der Palliative Care – Leitlinien zur interprofessionellen Praxis» veröffentlicht. Die Leitlinien richten sich an Fachpersonen, die in unterschiedlichen Bereichen und Settings der Palliative Care tätig sind. Darüber hinaus sollen sie auch für andere Bereiche der Gesundheitsversorgung sowie für institutionelle und politische Verantwortungsträger Hinweise bieten.
Die Leitlinien sind davon inspiriert, die Integration von Spiritual Care im schweizerischen Gesundheitswesen und insbesondere in der Palliative Care zu fördern, heisst es in der Zielsetzung. Die Bedeutung von religiösen und spirituellen Einstellungen für den Umgang mit Krankheitssituationen sowie für Entscheidungen am Lebensende stellt die Palliative Care unter anderem vor die Herausforderung, diese Einstellungen in angemessener Weise zu erfassen und in das interprofessionelle Handeln einzubeziehen. Die Leitlinien benennen die Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Grenzen solchen Handelns und weisen auf Entwicklungsmöglichkeiten und Modelle interprofessioneller Spiritual Care hin. Sie verstehen sich einerseits als Beitrag zur Qualitätssicherung in diesem Bereich, andererseits als Anregung und Ermutigung, Spiritual Care noch konsequenter in die Palliative Care in der Schweiz einzubeziehen.

Auftrag dreifach begründet

In ihrem Verständnis von Spiritual Care orientieren sich die Leitlinien an den «Nationalen Leitlinien Palliative Care» des Bundesamtes für Gesundheit, die sich ihrerseits auf Vorgaben der WHO stützen. Der institutionelle und interprofessionelle Auftrag für Spiritual Care ist im Rahmen des schweizerischen Gesundheitswesens in dreifacher Hinsicht begründet. Erstens aus grundrechtlicher Perspektive: Wer in einer Schweizer Gesundheitsinstitution stationär versorgt wird, geniesst seitens des Rechts einen besonderen Schutz. Aufgrund des besonderen Abhängigkeitsverhältnisses sind die betreffenden Institutionen und die in ihr tätigen Fachpersonen nicht zuletzt dazu verpflichtet, zu gewährleisten, dass das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit gewährleistet bleibt (Bundesverfassung Art. 15). Zweitens aus Palliativer Perspektive: Bei vielen Menschen sind Religiosität und Spiritualität identitätsbildend und in Krisen und Grenzsituationen in hohem Masse bedeutsam. Der Einfluss von religiösen und spirituellen Einstellungen auf die Gesundheit und die Lebensqualität, auf den Umgang mit Krankheit und auf therapeutische Entscheidungsprozesse ist empirisch gut belegt.
«Gesundheitsfachleute müssen den Glauben – oder Unglauben – ihrer Patienten nicht (...) teilen, um für deren spirituelle Sensibilität offen zu sein.»
(Bigorio 2008:2)

Sowie drittens aus professionsethischer Perspektive: Aufgrund ihrer Berufsethik sind alle Fachpersonen verpflichtet, Patientinnen und Patienten in einer wertschätzenden, der eigenen Grenzen bewussten Haltung gegenüber ihren weltanschaulichen und religiösen und spirituellen Hintergründen zu unterstützen. Es gilt, die ethischen Prinzipien Autonomie, Fürsorge, Nicht-Schaden und Gerechtigkeit sowie Care-ethische Aspekte angemessen zu berücksichtigen und in diesem Sinne zum Wohl der Patienten tätig zu sein. Für alle beteiligten Professionen gilt dabei: Gesundheitsfachleute müssen «den Glauben – oder Unglauben – ihrer Patienten nicht (...) teilen, um für deren spirituelle Sensibilität offen zu sein» (Bigorio 2008:2). Insofern professionelles Handeln und therapeutische Entscheidungen im Bereich Palliative Care auch von persönlichen Einstellungen beeinflusst werden, ist es für die beteiligten Fachpersonen wichtig, ihre Haltung zu Religiosität und Spiritualität im Allgemeinen und zur Religiosität und Spiritualität der ihnen anvertrauten Personen zu reflektieren und gegebenenfalls auch transparent zu machen.

Hinweise und Hilfestellungen

Die Leitlinien geben Hinweise und Hilfestellungen zu Aspekten von Spiritual Care wie «Spirituelle Ressourcen und Krisen», «Wahrnehmung, Erkundung und Dokumentation», «Grundhaltung und Kompetenzen», «Interprofessionelle Zusammenarbeit und professionsspezifische Rollen», «ethische Standards», «Institutionelle Rahmenbedingungen» sowie «Aus-, Fort- und Weiterbildung». Sie sind in die Themenbereiche «Religiosität und Spiritualität im Kontext von Palliative Care», «Wahrnehmen, erkunden und dokumentieren von spirituellen Aspekten», «Gemeinsame Aufgaben und professionelle Rollen», «Ethische Aspekte» sowie «Institutionelle Rahmenbedingungen» und «Aus-, Weiter- und Fortbildung» gegliedert. Der Anhang mit unterstützenden Instrumenten sowie Literaturhinweisen runden die Leitlinien «Spiritual Care in der Palliative Care – Leitlinien zur interprofessionellen Praxis ab». Die Leitlinien sind auf der Website von palliative ch öffentlich zugänglich.

Task Forces der schweizerischen Fachgesellschaft

Für die Fachgesellschaft palliative ch sind nebst Fach- und Arbeitsgruppen auch sogenannte «Task Forces» im Einsatz. Eine von ihnen ist die Task Force «Spiritual Care». Zu ihren Mitgliedern zählen:
Prof. Dr. theol. Simon Peng-Keller, Professur für Spiritual Care, Universität Zürich (Leitung); aus der Seelsorge: lic. theol. Renata Aebi, Beauftragte für Seelsorge in Palliative Care, St. Gallen und
lic. theol. Pascal Mösli, Verantwortlicher Spezialseelsorge & Palliative Care, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn; aus der Medizin: Dr. med. Daniel Büche, Leiter des Palliativzentrums am Kantonsspital St. Gallen und Prof. em. Dr. med. Urs-Martin Lütolf, ehem. ärztlicher Leiter des Universitätsspitals Zürich und Verwaltungsratspräsident des Zürcher Lighthouse; aus der Pflege: Dipl. Monica Fliedner, Co-Leiterin des Universitären Zentrums für Palliative Care, Inselspital Bern und PD Dr. Maya Zumstein-Shaha, Berner Fachhochschule für Gesundheit; sowie aus den psychosozialen Berufen: Dipl. Barbara Bucher, Sozialarbeiterin, psychoonkologische Beraterin / MAS Palliative Care, und Bettina Barz, Psychotherapeutin auf der Palliative Station, Spital Affoltern.
Autorinnen und Autoren der Leitlinien sind: Simon Peng-Keller, Pascal Mösli, Renata Aebi, Bettina Barz, Daniel Büche, Barbara Bucher, Monica Fliedner, Urs-Martin Lütolf, Maya Zumstein-Shaha / palliative zh+sh, cbu