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«Liebe Eva, du hast diesen Preis schon lange verdient»

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Laudatoren und das Stifterpaar rund um die Preisträgerin (v. l.): Daniel Scheidegger, Roland Kunz, Eva Bergsträsser, Matthias Mettner, Jacqueline Sonego Mettner und Michael Grotzer (Bild: zVg).

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05. Juli 2018 / Region
Roland Kunz würdigte Eva Bergsträsser, die den diesjährigen Palliative-Care-Preis erhalten hat. Der Chef-Geriater am Zürcher Waidspital sagte in seiner Laudatio, die Pädiaterin sei eine stille Schafferin, die nie die schrillen Auftritte gesucht habe. Es sei ihr Verdienst, dass Palliative Care heute auch in der Kinder- und Jugendmedizin fest verankert sei.


Seit 2010 vergibt das Institut Palliative Care und Organisationsethik alle zwei Jahre den Schweizer Palliative-Care-Preis an herausragende Persönlichkeiten, die sich um Palliative Care verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Roland Kunz, Daniel Büche, Hans Neuenschwander und Andreas Kruse. In deren Anwesenheit wurde am 30. Juni in Zürich Eva Bergsträsser ausgezeichnet, dies für ihr Engagement im Bereich der Pädiatrischen Palliative Care (PPC). Sie ist leitende Ärztin Onkologie und Pädiatrische Palliative Care am Universitäts-Kinderspital Zürich.

Matthias Mettner, Leiter des Instituts Palliative Care und Organisationsethik, stellte die Preisverleihung unter ein Zitat des italienischen Dichters Dante: «Drei Dinge sind aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.»

Andreas Kruse, Professor für Gerontologie an der Universität Heidelberg, spielte zur Einstimmung unter anderem zwei Stücke aus den «Kinderszenen» von Robert Schumann, die nicht für Kinder geschrieben wurden, sondern ein rückblickendes Nachdenken über Kinder seien. Zudem rezitierte er eine Fuge von Johann Sebastian Bach, die mit Spiritual Care gemeinsam habe, dass sie Leiden, Geistigkeit und existenzielle Kraft zum Ausdruck bringe. Musik von Mozart und Beethoven rundeten Kruses Einstimmung ab.
«Ich bedauere es, dass die Pädiatrische Palliative Care keinen Platz in der Nationalen Strategie gefunden hat.»
Roland Kunz, Chefarzt Geriatrie und Palliative Care Stadtspital Waid

Als erster Laudator würdigte Roland Kunz, Chefarzt Geriatrie und Palliative Care am Zürcher Stadtspital Waid, Eva Bergsträsser als eine langjährige Weggefährtin: Sie sei eine Persönlichkeit, die sich nie ins Rampenlicht gestellt habe, keine schrillen Auftritte zelebriere, sondern durch stilles Wirken überzeuge. Als die Ziele für die Palliative Care in der Schweiz formuliert wurden, so vor allem im Freiburger Manifest aus dem Jahre 2001, habe es Eva Bergsträsser mit viel Überzeugung geschafft, dass die Fachgesellschaft für Pädiatrie dort eingebunden worden sei.

Sie habe zudem im Rahmen ihrer Arbeit in der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) gezeigt, dass die Zielgruppe der PPC nur zu einem geringen Teil Kinder mit einer onkologischen Erkrankung sind. Zudem engagierte sie sich im Vorstand von palliative ch. Kunz bedauerte es, dass die PPC keinen Platz in der Nationalen Strategie gefunden hat. Eva Bergsträsser sei es immer darum gegangen, Palliative Care als Haltung in der Pädiatrie zum Wohle der kranken Kinder und ihrer Eltern optimal zu verankern. «Liebe Eva, du hast diesen Preis schon lange verdient!», sagte Kunz und dankte ihr für alles, was er von ihr lernen durfte sowie die jahrelange Unterstützung.
«Eva Bergsträsser ist eine Pionierin der Palliative Care in der Kinder- und Jugendmedizin, die eine äusserst wertvolle und allgemein geschätzte Querschnittsfunktion ausübt.»
Michael Grotzer, Professor für Pädiatrie an der UZH und ärztlicher Direktor des Kispis Zürich

Michael Grotzer, Professor für Pädiatrie an der Universität Zürich und Ärztlicher Direktor des Kispi Zürich, der mit Eva Bergsträsser seit 18 Jahren im gleichen Team arbeitet, würdigte die gegenseitig grosse Wertschätzung. Er verwies auf ihren beeindruckenden Lebenslauf: Eva Bergsträsser studierte und promovierte an der Privaten Universität Witten / Herdecke in Deutschland. Ihre Weiterbildung zur Fachärztin Kinder- und Jugendmedizin begann sie in Aarau und schloss diese neben der Spezialisierung in pädiatrischer Hämatologie und Onkologie 1998 in Freiburg i. Br. ab.

Seit 1999 ist sie am Universitäts-Kinderspital Zürich tätig; bis 2013 Oberärztin für Onkologie und Hämatologie, dann Leitende Ärztin. Für ihre Leistungen im Bereich der PPC wurde sie 2006 mit dem Guido Fanconi Preis ausgezeichnet, eine der wichtigsten Auszeichnungen im Bereich der Pädiatrie. Eva Bergsträsser hat ausserdem 2014 ihr vielbeachtetes Buch «Palliative Care bei Kindern. Schwerkranke Kinder begleiten, Abschied nehmen, weiterleben lernen» veröffentlicht.

Michael Grotzer bezeichnete seine Kollegin als eine Pionierin der Palliative Care in der Kinder- und Jugendmedizin, die eine äusserst wertvolle und allgemein geschätzte Querschnittsfunktion ausübe.
«Es lohnt sich, ihr zuzuhören, sie hat Humor, stellt aber auch hohe Anforderungen, dies allerdings sicher zuerst einmal an sich selbst.»
Daniel Scheidegger, Präsident der SAMW

Daniel Scheidegger, Präsident der SAMW, bekannte, dass er Eva Bergsträsser erst seit 18 Monaten kenne, eine Laudatio zu halten sei daher nicht so eine einfache Aufgabe. Scheidegger hatte jedoch Weggefährten von Eva Bergsträsser befragt, die sich an ihr kleines Büro in Freiburg i. Br. erinnern und sie als sehr souverän und empathisch schildern. Sie habe sich nicht mit Eitelkeiten abgegeben und sich beweisen müssen. Es lohne sich, ihr zuzuhören, sie habe Humor, stelle aber auch hohe Anforderungen, dies allerdings sicher zuerst einmal an sich selbst. Verlässlichkeit und Hartnäckigkeit seien weitere Wesensmerkmale, ausserdem die Freude an Ästhetik und Kunst. Last but not least sei sie eine hervorragende Gastgeberin, die gern koche und backe und nichts dem Zufall überlasse.

Nach Verlesung der Preisurkunde durch Jacqueline Sonego Mettner dankte Eva Bergsträsser für die grosse Ehre. Sie stellte die Frage, ob die Palliative Care in der Schweiz wirklich etabliert sei. Im Bereich der Pädiatrie sie sie noch immer nicht gesetzlich verankert. Die auch international beachtete PELICAN-Studie habe die aktuelle Situation gezeigt: Die meisten Kinder verstürben im Spital, vor allem auf Intensivstationen, nur 17 Prozent zu Hause. Palliativ betreute Kinder seien weniger lange im Spital, bräuchten weniger Medikamente und weniger invasive Massnahmen, es sei ausserdem zu vermuten, dass sie länger lebten. Zudem könnten sie dort sterben, wo sich die Familie das wünsche. Derzeit gebe es für die PPC drei Zentren: neben Zürich in St. Gallen und Lausanne. Weitere Initiativen gebe es in Luzern und Basel.

Bergsträsser zeigte sich überzeugt, dass eine flächendeckende PPC-Versorgung in der Schweiz möglich sei, wenn sich die Zentren gut mit der Kinderspitex und Kinderarztpraxen vernetzten. Zudem werde der Aufbau eines Weiterbildungsprogramms für PPC benötigt, so Bergsträsser in ihrer Dankesrede, der ein Apéro folgte und so einmal mehr einen würdigen und gelungenen Anlass des Instituts Palliative Care und Organisationsethik abrundete.
Christian Ruch, palliative ch