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Medienschau Januar 2020

Medienschau Januar 2020

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Die Medienschau von palliative zh+sh gibt Einblick in die Berichterstattung zu Palliative Care und verwandten Themen des vergangenen Monats. (Bild: palliative zh+sh, ei)

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Die Medienschau ist eine Momentaufnahme eines Ausschnittes der öffentlichen Diskussion zum Thema und bietet kurze Zusammenfassungen, zeigt Verknüpfungen auf und soll nicht zuletzt unterhalten und zur weiteren Lektüre der besprochenen Beiträge anregen. Wo vorhanden werden die Links zu den Beiträgen deshalb unter «Links zu den Beiträgen» aufgelistet.

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10. Februar 2020 / Medien
Nicht nur Medien greifen das Thema Sterben und Tod auf, sondern auch die, welche direkt damit zu tun haben: Ein Bestatter veranstaltet aufgrund grosser Nachfrage eine Messe. Er nennt sie «Der Tod kommt nach Basel». Auch eine Rechtsmedizinerin meldet sich zu Wort, und erklärt, wie wir sterben. Der Blick in die Bücherwelt zeigt, dass vor allem das Wie, wie wir mit Krankheit, Sterben und Tod umgehen, ein grosses Thema ist und wie unterschiedlich die Haltungen dazu sind.
Martha Rast ist gerade 70 Jahre alt geworden. Mehr als die Hälfte davon lebt sie mit «Herrn Krebs». Die NZZ veröffentlicht ein Portrait über Martha – in Ich-Form geschrieben, was dem Ganzen Tiefe verleiht. Martha spricht in klarer, ja schon fast schlichter Sprache. «Am 4., vor einer Woche, lag ich im Kantonsspital auf einem Tisch. Routine, sagten sie, das Einsetzen eines Katheters in Ihre Schlüsselbeinvene, Routine, so haben wir einen ständigen Zugang in Ihr Inneres, damit wir Sie, Frau Rast, wenn Sie zur Chemo kommen, nicht jedesmal neu stechen müssen – ich lag auf ihrem Tisch und hörte sie leise reden und reden. Und irgendwann, plötzlich, halfen sie mir in den Rollstuhl und fragten: Wie geht es mit dem Atmen? Ihr Brustfell, Frau Rast, wurde leider verletzt, tut uns sehr leid, Sie dürfen nicht nach Hause.» Zuweilen berichtet Martha aus Sicht der Beobachterin, nicht der Patientin, blickt auf ihr Leben, welches sie annimmt, so, wie es ist: «Nun bin ich also siebzig, fünfzig Kilo, Haut und Knochen, aber am Leben. Darauf bin ich stolz.» Trotz der Ansage, sie dürfe nicht nach Hause, sagt Martha: Machen Sie, was Sie wollen, sagte ich. Am 10. bin ich zu Hause, am 10. werde ich siebzig.» Zwei Tage vor ihrem Geburtstag liess man sie tatsächlich nach Hause, zu ihrem Fest. «Es gab Zeiten, da dachte ich, den Siebzigsten würde ich nie erleben. Ich erwachte um sechs, ging in die Küche, trank Kaffee, las die Zeitung, schluckte die Tabletten und wartete, ein Kreuzworträtsel vor mir, auf Sepp, meinen Mann, mit dem ich verheiratet bin seit 47 Jahren. Krebs habe ich seit 38 Jahren, Brustkrebs

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Einer anderen, 75-jährigen, Krebspatientin ist klar: Sie will keine Chemotherapien und auch sonst keine Behandlungen mehr. Aber sie möchte nicht leiden müssen, und sie will in einem Alters- und Pflegeheim betreut werden, berichtet die NZZ. Dank dem mobilen Palliative-Care-Team des Spitals Wetzikon lässt sich ihr Wunsch erfüllen. Nach einem Sturz verschlechtert sich der Zustand der Frau rapide. Im Gespräch mit den Spezialisten bekräftigt sie ihre Haltung: Sie möchte das gebrochene Bein nicht operieren lassen. Die Frau erhält starke schmerzmildernde Medikamente und liegt fast nur noch schlafend im Bett. Bald wird sie sterben. Normalerweise wäre die Frau hospitalisiert worden, sagt Andreas Weber, ärztlicher Leiter Palliative Care am Spital Wetzikon. Wie sie möchten jedoch die meisten Menschen viel lieber in der vertrauten Umgebung bleiben und dort sterben. Nach zögerlichen Anfängen ist dies heute im häuslichen Umfeld weitgehend möglich: 90 Prozent aller Gemeinden im Kanton Zürich finanzieren mittlerweile mobile Equipen, die in den eigenen vier Wänden eine palliative Betreuung, wenn nötig rund um die Uhr, unterstützen. Auch in der Langzeitpflege sind laut Weber solche Hilfestellungen angezeigt. Weber schlägt eine einfache Lösung vor: Die ambulanten Equipen, die bereits im häuslichen Bereich kantonsweit Unterstützung anbieten, sollen bei Bedarf auch allen Heimen zur Seite stehen. Den Anfang dazu hat das Zürcher Oberland gemacht.

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Mitte Januar diskutierten Fachleute im Kino «Bambi» Bülach darüber, was schwer kranke Menschen am Lebensende benötigen. Im Anschluss daran wurde der Film «Sub Jayega – die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies gezeigt, was sich als Publikumsmagnet erwies, berichtet der Zürcher Unterländer. Organisiert worden war der Anlass vom Verein Palliative-Care-Netzwerk Zürcher Unterland. Auf dem Podium diskutierten unter der Leitung von Spitalseelsorger Daniel Burger-Müller der reformierte Pfarrer Jürg Spielmann, Mirko Thiene, Leiter des Kompetenzzentrums Palliative Care am Spital Bülach, Filmemacher Fabian Biasio sowie Monika Obrist, Geschäftsführerin des Vereins palliative zh+sh. Biasio schilderte, wie er das Sterben seines Vaters vor fünf Jahren erlebt hatte. Mirko Thiene, seit zehn Jahren am Spital Bülach im Kompetenzzentrum für Palliative Care tätig, betonte, dass Palliative Care nur in guter Teamarbeit erfolgreich umgesetzt werden könne. «Ich verstehe mich als Dirigent», umschrieb er seine Rolle. So ist unter Palliative Care nicht nur die medizinische Betreuung zu verstehen, sondern auch die Pflege, therapeutische Angebote und der Einbezug des persönlichen Umfelds des kranken Menschen. Ergänzend dazu sagte Pfarrer Jürg Spielmann: «Es ist hilfreich, wenn jemand seine Krankheit annehmen kann.» Denn so würden Kräfte freigesetzt, dank derer man die schwierige Situation meistern könne.
«Leute befürchten, dass sie der Tod trifft, wenn sie mich zu lange anschauen.» Johannes Ruchti, Bestatter

Wenn Bestatter Johannes Ruchti kommt, wenden sich viele ab. Die Basler Zeitung führte mit ihm ein Gespräch über ein Tabu-Thema. Während sich die einen abwenden, wollen die anderen ihm nicht «Auf Wiedersehen» sagen, erklärt Ruchti. Im März kommt er nach Basel. Er ist Organisator der ersten Publikumsmesse für Bestattung der Stadt. «Der Tod kommt nach Basel» kündigt er seine Publikumsmesse an und als Einladung schickt er ein Interview mit dem Tod mit samt einer Aufnahme von sich als Sensemann. Wieso ein solcher Auftritt bei diesem ernsten Thema? «Man muss über den Tod auch lachen können. Mit diesem Auftritt will ich nicht nur provozieren, sondern auch aufrütteln.» Der Tod sei ein Tabu. Sogar er als Bestatter sei manchmal tabu. In Altersheimen drehten sich immer wieder Leute von ihm ab, weil sie fürchten, dass sie der Tod treffe, wenn sie ihn zu lange anschauen. Das geschehe alles aus Unwissenheit. Viele weisen den Tod weg von sich. Sterben und Tod sind bei Johannes Ruchti Alltag, auch in der Freizeit: «Die beiden kleinen Kinder haben für mich die Bestatter-Legos aufgebaut. Sie wissen genau, was ein Krematorium ist, und fragen mich manchmal, ob ich heute wieder jemanden, der gestorben ist, in den Ofen bringe.» Das Bestattungsmuseum in Österreich hat Trauer-Legos entwickelt, um Kindern den Tod -näherzubringen. Mit dem Lego-Krematorium oder dem Lego-Sarg kann man ihnen erklären, was mit dem Körper nach dem Tod geschieht. Trauer-Legos sind eine spielerische Art, die Trauer zu verarbeiten.

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Und wie ist es, wenn die Eltern alt werden? Ein Sturz, eine schwere Krankheit, Verwirrung: Mit einem Mal werden erwachsene Kinder mit der Frage konfrontiert, wie es mit ihren Eltern weitergehen soll. Es beginnt eine Zeit, wo sich Verantwortung und Fürsorge zwischen Kind und Eltern umkehren und eine grosse Herausforderung auf die Kinder zukommt. Die Sendung DOK des Schweizer Fernsehens begleitet drei erwachsene Kinder: Gery Huber fährt regelmässig aus dem Solothurnischen zu ihrem Vater nach Zürich. Sie will Zeit mit ihm verbringen. Seit Gery Hubers Mutter verstorben ist, habe sie ihren Vater neu entdeckt, sagt sie. Die beiden geniessen die Zeit bis zum Tag, wo Gery Hubers Vater über immer stärkere Schmerzen an der Hüfte klagt. Regula Borner ist das älteste von vier Geschwistern. Ihre Mutter hat fast ihr ganzes Leben in jenem Haus verbracht, in dem Regula aufgewachsen ist. Nachdem Regulas Vater gestorben ist, ist die Mutter tagsüber oft allein. Regula und ihre Mutter reden ab und zu darüber, wie es weitergehen soll. Theres Voser hat sich frühzeitig pensionieren lassen, um mehr Zeit für sich und ihre Beziehung zu haben. Dann kommt alles anders. Ihr Vater erleidet einen massiven gesundheitlichen Rückschlag und ihre ältere Schwester erkrankt schwer.

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Er nennt sich Lebensbegleiter und begleitet Menschen bis in den Tod. Wie ist Philippe Daucourt dazu gekommen? In einem Interview auf Bluewin gibt er Auskunft und berichtet, was ihn bewegt und wie seine Gefühle für den eigenen Tod sind. «Ich habe dreizehn Jahre lang im Versicherungswesen gearbeitet. Erst mit 30 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, in den Pflegeberuf einzusteigen.» Er habe zuunterst im Organigramm angefangen, als Pflegehelfer im Altersbereich, später arbeitete er in einem Heim für Schwerstkranke. Auch in seiner Familie sei er mit dem Tod in Berührung gekommen: Seine Mutter ist an Krebs gestorben, der Vater hatte ALS. Lebensbegleiter nennt sich Daucourt weil, «wenn jemand im Sterben liegt, so bin ich bei ihm, wenn er noch lebt. Ich bin also ein Lebensbegleiter, das ist positiver assoziiert als Sterbebegleiter.» Vor seinem Tod mache er sich keine grossen Gedanken. Er fürchte sich eher vor Schmerzen. Was ihn sehr beschäftigte, ist, was passiert, wenn er nicht mehr urteilsfähig sein sollte und jemand über ihn entscheide. «Ich habe deshalb alles geregelt. Wir entscheiden über unser Leben, wenn wir leben – warum sollten wir nicht auch darüber entscheiden, wenn wir im Sterben liegen? Wir leben schliesslich bis zum letzten Lebensmoment
«Können wir auch selbstbestimmt sterben, ohne uns selbst das Leben zu nehmen?» Veronika Jehle, röm.-kath. Spitalseelsorgerin

Im Wort zum Sonntag spricht die römisch-katholische Spitalseelsorgerin Veronika Jehle über «Selbstbestimmt sterben, ohne sich das Leben zu nehmen». Sie beginnt ihre Ausführungen damit, sich ihren Lebensabend vorzustellen. Sie sehe sich in einem Bett liegend, schwach, vermutlich, weil sie alt geworden sei oder nach einem Unfall. Sie sähe einen Menschen an ihrer Seite, sie hielten sich die Hand und hätten Tränen in den Augen. «Viel mehr kann ich mir zu meinem Abschied vom Leben momentan nicht vorstellen» , sagt Veronika Jehle. Das, was ihr in den Sinn komme, sei wohl das, was ihr persönlich sehr wichtig sei. In der Gesellschaft sei es vielen Menschen klar, wenn sterben, dann schnell und so, wie sie es sich selbst vorstellen. Wer Zeit seines Lebens autonom gelebt hat, warum soll es im Tod anders sein, fragt sie? «Sterbehilfeorganisationen geben an, genau diesem Wunsch, genau diesem Lebensgefühl zu entsprechen, ein selbstbestimmtes Sterben zu ermöglichen.» . Aus ihrer Sicht ist im Glauben der Tod ein Teil des Lebens, obwohl dies dem Tod nicht den Ernst und auch nicht den Schrecken nehme könne. Sie fragt weiter: «Wir Menschen leben selbstbestimmt und haben das Leben nicht selbst gegeben. Können wir auch selbstbestimmt sterben, ohne uns selbst das Leben zu nehmen?». Sie sei überzeugt, diese Frage mit Ja beantworten zu können. Als Spitalseelsorgerin erlebe sie viele Menschen, die zu ihrem Ende hin, ihren Tod erwarten können.

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Aber wie sterben wir eigentlich? News.at lässt für diese Fragen die Rechtsmedizinerin Kathrin Yen zu Wort kommen. Diese erinnere sich an ein Gespräch, dass sie vor Jahren mit einer Assistenzärztin geführt hatte. Sie sprachen über den Tod. Auf die Frage «Wie möchtest du sterben - ganz plötzlich oder langsam?» antwortete die Kollegin: «Ich möchte langsam sterben. Denn ich sterbe schliesslich nur einmal und daher möchte ich wissen, wie es ist.» Das hat Kathrin Yen zu denken gegeben. Für die Rechtsmedizinerin ist der Tod Alltag. Sie beschäftigt sich mit Todesumständen, dem Prozess des Sterbens und den Veränderungen des toten Körpers. Beim Stichwort «guter Tod» denke sie an ihre Grossmutter, «die immer um eine "glückliche Sterbestunde" gebetet hat. Das war früher üblich und dieser Gedanke hat eigentlich etwas Schönes. Dieses Bewusstsein, wenn man am Schluss gut gehen kann, sagt auch viel über das Leben aus.» Möglichst schmerz- und angstfrei sei ebenfalls sehr wichtig. Es gebe aber auch andere Todesfälle. Jene, die man oft in der Rechtsmedizin sehe. Todesfälle, die plötzlich eintreten, denen gewaltsame Ereignisse zugrunde liegen. Für den Betroffenen selbst ist das meist ein Tod, der schnell geht. Oft leitet das Gehirn gar nicht so schnell, dass man die Schmerzen spüren würde. Schliesslich schildert Kathrin Yen, wie der Sterbeprozess verläuft. Und: Aus Studien wisse man zudem, dass am Schluss, kurz vor dem Tod, noch Botenstoffe ausgeschüttet werden. Diese sollen eine positive, eine glücklich machende, euphorisierende Wirkung haben. «Es hat etwas Tröstliches, dass der Körper es einem am Schluss leichter macht.»

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«Ärzte behandeln Organspender am Lebensende anders als Nicht-Organspender: Spender werden manchmal mehrere Tage lang künstlich am Leben erhalten – ohne darüber aufgeklärt worden zu sein.» Dies titelt die Tageschau der ARD. Sie führt aus, was kaum jemand wisse: Wer auf dem Organspendeausweis «Ja» . ankreuze, stimme damit einer mehrtägigen zusätzlichen Therapie auf der Intensivstation zu. Denn nur so liesse sich eine Organspende überhaupt durchführen. Darüber kläre die Spender aber in der Regel niemand auf. Denn bislang gebe es keine reguläre ärztliche Aufklärung über die Organspende. Die Werbekampagne für Organspende drehe sich immer nur um die Notwendigkeit zu spenden, kritisiert der Medizinethiker Giovanni Maio von der Universität Freiburg. Wenn die Menschen gar nicht wüssten, was mit ihnen geschehe, wenn sie sich bereit erklärt hätten, Spender zu sein, dann sei das eine Übertölpelung, so Maio. Zu Wort kommt auch der Intensivmediziner und Organspende-Beauftragter Michael Lücking von der Uniklinik Freiburg: «Wenn für den Patienten auf der Intensivstation keine Hoffnung mehr besteht. Wenn es damit auch keinen Sinn und kein Ziel mehr von Intensivmedizin gibt, dann müssen wir entscheiden: Gehen wir den Weg des Sterben-Lassens, der Sterbebegleitung, oder gibt es den Wunsch des Patienten nach einer Organspende?» Bei Nicht-Organspendern werde die Therapie dann behutsam zurückgefahren. Die Ärzte lassen zu, dass der Patient stirbt und begleiten ihn dabei. Organspender werden hingegen länger künstlich beatmet. Ihr Gehirn ist bereits schwer geschädigt, sie haben keine Chance auf ein Überleben, aber dennoch werden sie therapiert, bis der sogenannte Hirntod eintritt. Das kann mehrere Tage dauern, in denen die Ärzte den Patienten nicht mehr um seiner selbst willen, sondern um der Organe willen mit Maschinen am Leben erhalten. Sie stellen dabei sicher, dass er nicht leidet.
»Der Paragraf 217 missachtet das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen am Lebensende eindeutig.» Uwe Lehnert, Rezensor

Edgar Dahl hat ein Plädoyer für den ärztlich assistierten Suizid» verfasst. Uwe Lehnert hat für den humanistischen Pressedienst eine Rezension verfasst. Den Einstieg bildet der Einblick in die deutsche Verfassung, in dem in Artikel 2 definiert ist: «Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmässige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.» Auch die weiteren Artikel der Grundrechte erläutern sehr klar, was heute unter persönlicher Selbstbestimmung verstanden würde. Was «gegen das Sittengesetz verstösst», das allerdings legten in Deutschland immer noch die Kirchen fest. Nicht nur direkt, auch über ungezählte ihnen ergebene Vertreter in der Politik und im Bundestag, wo die Gesetze beschlossen werden. Es zähle offenbar nicht, dass das deutsche Grundgesetz den weltanschaulich neutralen Staat vorschreibt, es zähle auch nicht, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung sich inzwischen als konfessionsfrei bezeichnen, und dass darüber hinaus nachweislich deutlich mehr als die Hälfte auch der Kirchenmitglieder ihr Leben eher nach säkular-humanistischen Werten ausrichten als nach jenen der christlichen Lehre. Edgar Dahl schreibt über die Erfahrungen des ärztlich assistierten Suizids im US-Staat Oregon. Das dieser Praxis zugrunde liegende Gesetz ist 1997, gegen den erbitterten Widerstand des Weissen Hauses eingeführt worden. Die Bedenken in Bezug auf den befürchteten Missbrauch, die seinerzeit von politischer, religiöser und medizinischer Seite geäussert wurden, sind sämtlich nicht eingetreten. Zum Schluss hält der Autor eine Fürsprache für die Abschaffung des noch bestehenden Paragrafen 217, der die sogenannte geschäftsmässige Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellt. Ein Gesetz, das das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen am Lebensende eindeutig missachtete, so der Rezensor.
palliative zh+sh, Christina Buchser