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Medienschau November 2018

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Die Medienschau von palliative zh+sh gibt Einblick in die Berichterstattung zu Palliative Care und verwandten Themen des vergangenen Monats. (Bild: palliative zh+sh, ei)

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06. Dezember 2018 / Medien
«Wie stirbt man gut?» Diese Frage stellte «Zürich Ost» Dr. med. Andreas Weber, Palliativarzt am GZO Wetzikon und Vorstandsmitglied von palliative zh+sh. Nicht lange, sondern tief zu leben, war seine Antwort. Im weiteren Interview erläuterte Andreas Weber, worum es bei der Palliative Care gehe, nämlich nicht «nur ums Sterben» wie viele meinen, sondern vielmehr gehe es um Verbesserung der Lebensqualität. Das bedeute, Unterstützung auf der physischen Ebene durch Ärzte und Pflegende. Auf der sozialen, der seelischen und der psychischen Ebene bedürfe es Hilfe im Umgang mit Ängsten, möglichweise auch mit Verzweiflung oder den Fragen nach dem Sinn des Lebens. «Eine gute Palliative Care besteht aus einem Netzwerk von Menschen: Fachleuten, Angehörige, Ehrenamtliche», sagte Weber. Einmal pro Woche mache er und sein Palliative-Care-Team Visite zusammen mit den Onkologen. Dabei könne es vorkommen, dass Patienten sich erschreckten und fragten «Steht es so schlimm um mich?» Aber immer mehr Patienten wüssten, worum es bei Palliative Care gehe und seien extrem froh, dass das Palliative-Care-Team in Krisensituationen rund um die Uhr helfen könne. Andererseits sieht Andreas Weber grossen Handlungsbedarf in der Kommunikationsausbildung der Medizinstudenten. Diese besuchten zwar einen kleinen Kommunikationskurs, aber wie man eine Statistik verständlich kommuniziere, dafür gebe es noch keine Ausbildung. Was könne man tun, um seine Chancen zu erhöhen, um gut zu sterben? «Das beginnt schon sehr früh. Man sollte so leben, dass es keine Rolle spielt, wie lange man noch lebt, sondern nur, wie man lebt

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Seit 30 Jahren befindet sich das Zürcher Lighthouse an der Carmenstrasse im Kreis 7. Die Stiftung informierte Ende November über ihre Zukunftspläne: Voraussichtlich 2023 werde das Kompetenzzentrum für palliative Pflege in einen Neubau im Kreis 4 umziehen. Dieser werde von der «à Porta-Stiftung» realisiert, die damit die bestehenden Wohnhäuser aus den 1930er-Jahren ersetzen wolle. Der Neubau bringe dem Lighthouse zahlreiche Verbesserungen: Statt wie bisher 20 Plätze seien 42 geplant. Während es im jetzigen Gebäude gemeinschaftliche Duschen und Toiletten gebe, werden am neuen Standort alle Einzelzimmer über eigene Bäder verfügen. Auch das Angebot werde erweitert, beispielsweise mit einem Tageszentrum für die ambulante Behandlung oder mit Angeboten für die palliative Pflege zu Hause. «Die à Porta-Stiftung vertritt dieselben Werte wie wir. Wir freuen uns sehr über diese Partnerschaft», sagte Hans-Peter Portmann, Präsident der Stiftung Zürcher Lighthouse vor den Medien.

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«Dabei wäre es so wichtig, weil das Fenster der Urteilsfähigkeit und damit der Vorausplanung schnell kleiner wird.»
Dr. med. Roland Kunz, Stadtspital Waid


Primär sei Palliative Care mit Fokus auf Krebspatienten entwickelt worden. Sie fände erst langsam Einzug in die Behandlungskonzepte für andere chronisch fortschreitende Krankheiten, schrieb Dr. med. Roland Kunz, Chefarzt Universitäre Klinik für Akutgeriatrie und Zentrum für Palliative Care sowie Vorstandsmitglied von palliative zh+sh, in der Zeitschrift «Primary and Hospital Care». Besonders die Demenzerkrankungen als Diagnosen im Grenzbereich zwischen Somatik und Psychiatrie seien erst spät als Zielgruppe wahrgenommen worden. Ein Mensch werde nach erhaltener Krebsdiagnose wichtige Fragen stellen wie «Wie sieht meine Prognose aus, wie lange bleibt mir noch zu leben? Was ist mir wichtig in der verbleibenden Lebenszeit». Im Gegensatz dazu stellten sich Betroffene und ihre Angehörigen nach der Diagnose primär ganz andere Fragen: Die Angst vor zunehmender Unselbstständigkeit und Abhängigkeit, vor dem Verlust der bisherigen sozialen Rollen stünden meistens im Vordergrund. Die Frage zur Prognose betreffe viel mehr das Fortschreiten des kognitiven Verfalls als die begrenzte Lebenserwartung. Dass die Demenz eine fortschreitende, unheilbare und letztlich tödliche Erkrankung sei und deshalb die gleichen Fragen wie bei einer unheilbaren Krebserkrankung gestellt werden müssten, sei für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, die Patientinnen und Patienten und die Angehörigen meistens noch kein Thema. Dabei wäre es so wichtig, die Zeit zu nutzen und diese Fragen zu diskutieren, weil das Fenster der Urteilsfähigkeit und damit der Vorausplanung schnell kleiner werde.

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Anlässlich von «Allerseelen» am 2. November veröffentlichte «Der Landbote» einen Artikel, in welchem Simon Peng-Keller über Spiritual Care berichtet, welche ein wichtiger Bestandteil der Palliative Care ist. Seit 2015 gibt es an der Universität Zürich eine Professur für Spiritual Care, welche Peng in einem Teilpensum innehat. Peng-Keller missfällt, dass die Politik die Palliative Care nicht stärker fördere. Ihn schmerze und ärgere, «dass in der Schweiz die Bedingungen für Palliativversorgung nicht so gut sind, wie sie eigentlich sein könnten und müssten». Dafür mache er mangelnde politische Anstrengungen verantwortlich, wie etwa bei der Revision des Ärztetarifs Tarmed: «Die verrechenbare Zeit, die Ärzte in der ambulanten Palliative Care für Patientengespräche einsetzen dürfen, ist gekürzt worden», kritisierte er. Dabei bräuchte es gerade in der Palliativbehandlung mehr und nicht weniger Zeit für eine angemessene Kommunikation.» Peng-Keller sieht einen Widerspruch darin, dass viele Politiker zwar gern von einem würdigen Sterben sprechen, jedoch nicht die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen wollen, wenn es etwa darum geht, die günstige ambulante Palliativpflege zu Hause finanziell besser abzugelten. Hier müsse dringend etwas geschehen. «Sterben ist ein zentraler Lebensbereich, der gegenwärtig politisch vernachlässigt wird.»

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An der Pastoralkonferenz Thurgau referierte Karin Kaspers-Elekes, Präsidentin palliative ostschweiz, über die Rolle der Seelsorge innerhalb der Palliative Care. Die evangelische Pfarrerin sagte: «Die spirituelle Dimension hat sich in den letzten Jahren mächtig gemausert.» Die Frage „Was kommt nach dem Tod?“ sei in den ersten Jahren von Palliative Care ein völliges Tabu gewesen. Das sei heute anderes. Spirituelle Bedürfnisse würden heute ernst genommen. Allerdings werde die Seelsorge nicht immer als eigenständige Qualifikation gesehen. Deshalb rief Kaspers-Elekes die Anwesenden dazu auf, selbstbewusst die Professionalität der Seelsorge nach aussen zu vertreten und sie von Freiwilligendiensten abzugrenzen. Weiter zeigte sie sich glücklich darüber, dass im Umsetzungskonzept von Palliative Care des Kantons Thurgau die beiden Landeskirchen ausdrücklich als «Träger der Seelsorge» festgehalten seien. Das eröffne den beiden Kirchen Chancen, stelle aber die Verpflichtung dar, Ressourcen für dieses Engagement bereitzustellen. Ein besonderes Anliegen von Palliative Care sei das Zusammenspiel der unterschiedlichen Dienste, die sich um das Wohl sterbenskranker Menschen kümmern. «Wir haben herausgefunden, dass die Menschen schneller zu dem kommen, was sie brauchen, wenn diese Vernetzung funktioniert. Oder kurz gesagt: Versorgung braucht Vernetzung», erklärte Karin Kaspers-Elekes. Man sei bestrebt, solche Netzwerke auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene weiter auszubauen.

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«Dass auch Kinder sterben, dessen ist man sich zu wenig bewusst.» Dr. med. Jeanette Greiner, Ostschweizer Kinderspital

Kürzlich hat der Kanton St. Gallen Palliative Care im Gesetz verankert, schreibt das «Tagblatt», und: Die Kinderärztin Jeanette Greiner fordere, dass damit auch die Betreuung schwerkranker Kinder besser unterstützt werde. Diese gehe beim Thema Sterbebegleitung oft vergessen. «Wir brauchen dringend mehr Personal in der pädiatrischen Palliative Care. Sonst zerbrechen wir daran und können die Betreuungsqualität nicht mehr gewährleisten, die den chronisch kranken Patienten zustehen würde.» Während im europäischen Ausland – insbesondere in England und Deutschland – viele Kinderärzte eine Zusatzausbildung für Palliative Care absolvierten, stecke die Schweiz diesbezüglich noch in den Kinderschuhen. Bis heute verfügen schweizweit nur das Ostschweizer Kinderspital sowie die Kinderspitäler Zürich und Lausanne über ein spezialisiertes pädiatrisches Palliative-Care-Team. Für die von Jeanette Greiner erarbeiteten Betreuungsstandards ist das Ostschweizer Kinderspital als erstes und bisher einziges Kinderspital in der Schweiz mit dem sogenannten SanaCERT-Qualitätsstandard zertifiziert worden. Trotzdem erhält die pädiatrische Palliative Care bisher keine finanzielle Unterstützung, die über die normale Entgeltung im Rahmen der stationären Fallpauschalen hinausgehen würde. «Dass auch Kinder sterben, dessen ist man sich zu wenig bewusst», sagt Greiner. So auch die Politik.

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Wenn das Kinder-Palliativ-Care-Team auf die Geburtsstation komme, sei das auch für die Ärzte dort eine Hilfe. Denn Sterben auf einer Station, die eigentlich für das Leben stehe, werde nie zur Routine. Die «Frankfurter Allgemeine» veröffentlichte anfangs November den Artikel «Ein paar Atemzüge Leben». Es ist ein Artikel über eine Pränataldiagnostikerin, die unter anderem dann zum Einsatz kommt, wenn eine Mutter ein Kind gebiert, welches schon im Mutterleib gestorben sei oder ein Neugeborenes mit nur kurzer Lebensdauer. Das Klinikum Höchst arbeitet eng mit dem Kinder-Palliativ-Care-Team Südhessen zusammen. Eltern, die meist schon in der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind bald sterben werde, erhielten hier eine zusätzliche Beratungsmöglichkeit. «Ich sehe die Tests als Chance. Sie bieten den Eltern die Möglichkeit, sich auf eine gewisse Situation vorzubereiten», sagt Pränataldiagnostikerin Ivonne Bedei zu ihrer Arbeit. Nur wenige Paare entschlössen sich nach einer schweren Diagnose, die Schwangerschaft fortzuführen. Aber genau diese Eltern gelte es zu unterstützen und durch die folgenden Monate zu begleiten. Im Klinikalltag fehlten dafür aber manchmal die nötigen Strukturen. Das Kinder-Palliativ-Care-Team Südhessen knüpfe genau da an. Es fange diese Eltern auf, kläre mit ihnen, wie sie sich das kurze Leben, aber auch das Sterben ihres Kindes vorstellen. Dabei kämen nur wenige Eltern tatsächlich in die Situation, ihr Baby nicht nur ins Leben, sondern auch in den Tod zu begleiten. Oft seien die Ungeborenen so schwer krank, dass sie noch im Mutterleib stürben. Wenn allerdings die Geburt eines Babys bevorstehe, dessen Lebenserwartung nur ein paar Atemzüge umfasse, ist das auch für die beteiligten Ärzte, Hebammen und Pfleger eine Ausnahmesituation.

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«Wie die Hebamme einen Menschen ins Leben begleitet, führt ihn eine Sterbeamme wieder hinaus.» Sabine Amrhein, einzige zertifizierte Sterbeamme der Schweiz

Ihre Vorgängerin im Praxisraum im Berner Liebefeld war eine Hebamme. Die Sterbeamme Sabine Amrhein findet das sehr stimmig, wie sie gegenüber der «Berner Zeitung» sagt: «Wie die Hebamme einen Menschen ins Leben begleitet, führt ihn eine Sterbeamme wieder hinaus.» Auch Sterben verlaufe in «wehenartigen Phasen», die einen existenziellen Übergang charakterisieren. Ihr sei es wichtig, auch in der Phase des Abschiednehmens einen Sinn zu finden, Unbereinigtes und Ängste zu thematisieren und wenn möglich eine heilsame Wandlung zu bewirken. «Es geht darum, grösstmöglichen Frieden für alle zu schaffen.» Eigene schwere Krankheiten, Nahtoderlebnisse und Trennungen seien Teil von Amrheins Vergangenheit, schreibt die «Berner Zeitung». Nach ihrer Scheidung trat Sabine Amrhein eine 40-tägige Pilgerreise ohne Geld an. «Ich hatte die Wahl, Gelder der IV zu beziehen oder mich selbst zu finden und auf eigenen Beinen zu stehen», sagt sie rückblickend. Nach ihrer Heimkehr in die Schweiz erkrankte Amrhein lebensbedrohlich. Rückblickend stellte sie fest, dass sie die Angst vor dem Tod verloren hatte. Ende März 2015 wurde sie obdachlos. «Gevatter Zufall», wie sie sagt, führte sie in den Kanton Obwalden ins Benediktinerinnenkloster St. Niklaus von Flüe. Hier fand sie für acht Monate eine Bleibe und Genesung. Sie durfte eine hochbetagte, auf ihren Tod wartende Schwester begleiten – eine intensive Erfahrung. «Hier wurde mir bewusst, dass dies meine Berufung und mein zukünftiger Weg war.»

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«Kritik an der Sterbehilfe gilt in der Schweiz fast schon als politisch unkorrekt.» Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor

Auch persönlich, wenngleich aber als Herausgeber, setzte sich Matthias Ackeret mit dem Sterben auseinander. In diesen Tagen ist das Buch «Die Glücksucherin» erschienen. Ackeret gab auf «persoenlich.com» ein Interview, warum er dieses Buch herausgibt, obwohl die Autorin Margit Schäppi freiwillig mit der Sterbehilfeorganisation «Exit» aus dem Leben geschieden ist. Bevor sie diesen Schritt tat, gelangte sie mit ihrer Autobiografie an Verleger Ackeret, und fragte, ob er ihr Werk publiziere. Ackeret bat sie vergeblich, vom Freitod abzusehen: «Sie können doch nicht Exit machen». Nach dem ersten Treffen bat er sie erneut, sie möge sich melden, wenn sie in letzter Sekunde ihre Meinung ändere. Das tat sie aber nicht. Er argumentierte: «Es wäre doch schön, wenn sie noch die Publikation ihres Buches erleben würden.» Dies wollte sie nicht, zu stark war ihr Wille, aus dem Leben zu scheiden. Warum entschied er sich dafür, Margrit Schäppis Buch dennoch zu publizieren? «Zum einen die Qualität ihres Manuskriptes. Zum andern eine wirkliche Begebenheit: Als im Frühjahr ein 104-jähriger Australier im Kanton Baselland äusserst mediengerecht mit Sterbehilfe aus dem Leben schied, fand ich dies sehr befremdlich.» Weiter sagt er: Täglich scheiden in der Schweiz im Schnitt drei Personen dank der Suizidhilfe aus dem Leben. Ich finde das erschreckend viel, Tendenz steigend.» Aber bei der existentiellsten Frage überhaupt, dem Leben, schauten Gesellschaft und Staat gerne weg oder wirkten überfordert. Gleichzeitig wachsen die Forderungen der Sterbeideologen. «Kritik an der Sterbehilfe gilt in der Schweiz fast schon als politisch unkorrekt.» Er hoffe, dass «Die Glückssucherin» einen Beitrag zu dieser wichtigen Debatte leisten werde.

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Mit assistiertem Suizid setzte sich auch «swissinfo» auseinander und titelte «Wie Dignitas im Ausland für Sterbehilfe missioniert». Die Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas engagiere sich politisch und rechtlich in anderen Ländern, um den assistierten Suizid weltweit zu legalisieren. Sie rechtfertige ihre missionarische Tätigkeit damit, dass politische und religiöse Eliten im Ausland den Willen der Bevölkerung nicht respektieren würden. In der Schweiz ist der assistierte Suizid erlaubt. Mehrere Organisationen böten diesen «Service» an, schreibt «swissinfo». Weil Sterbehilfe in den meisten Ländern der Welt verboten seien, kämen viele Ausländer und Ausländerinnen in die Schweiz, um sich hier beim Suizid helfen zu lassen. Nach eigenen Angaben wolle Dignitas sich mit diesem Engagement selbst machen, so dass schwerkranke Personen nicht in die Schweiz reisen müssten, sondern in ihrem eigenen Land Hilfe beim Suizid erhielten. Aber nicht nur Diginitas engagiert sich im Ausland, sondern auch die Stiftung «Eternal Spirit» deren Präsidentin die Ärztin Erika Preisig ist. «Exit Suisse Romande» engagiere sich im Rahmen der Mitgliedschaft im «Weltverband der Sterbehilfeorganisationen». «Swissinfo» geht im Artikel vertieft auf die internationalen Engagements der Schweizer «Right to die»-Organisationen ein.

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Die «Basellandschaftliche Zeitung» veröffentlichte eine Kurzmeldung und fragte: «Muss Baselbieter Sterbebegleiterin ins Gefängnis?» Auslöser für diese Frage war, weil die Baselbieter Staatsanwaltschaft Anklage gegen Erika Preisig erhoben hatte. Der Hausärztin werde vorsätzliche Tötung vorgeworfen, weil sie 2016 eine mutmasslich urteilsunfähige Frau in den Freitod begleitet habe. Preisig werde vorsätzliche Tötung in mittelbarer Täterschaft oder fahrlässige Tötung vorgeworfen. Dazu komme eine Anklage wegen Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz und die Arzneimittelverordnung sowie das Baselbieter Gesundheitsgesetz. Preisigs Stiftung «Eternal Spirit» weise in einer schriftlichen Stellungnahme alle Vorwürfe zurück und halte fest, zwei ärztliche Gutachten gemacht zu haben, die unabhängig voneinander die Urteilsfähigkeit besagter Frau bestätigt hätten.

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Die «Süddeutsche Zeitung» widmet sich in ihrer Ausgabe vom 23. November ausführlich dem Thema «Wie andere Staaten die Sterbehilfe regeln». Wer darf über das eigene Lebensende bestimmen? Von Land zu Land unterschieden sich die Gesetze -– und mit ihnen die Sorgen der Gesellschaft. Die «Süddeutsche Zeitung» schildert diese Unterschiede in drei Beispielen: Belgien und Niederlande, wo auch Minderjährige Sterbehilfe beanspruchen dürfen. Seit 2002 gelten in Belgien und den Niederlanden Gesetze, die im Kern dasselbe besagen: Der Arzt dürfe einen Menschen töten, wenn dieser körperlich oder psychisch unerträglich leide, nicht auf Besserung hoffen könne und den Sterbewunsch freiwillig und nach reiflichem Überlegen bekunde. Dann die USA, wo es keine einheitliche Regelung zur Sterbehilfe gebe. Und doch gehöre der Bundesstaat Oregon zu den wenigen Regionen der Welt, aus dem es langjährige Erkenntnisse zum sogenannten «ärztlich assistierten Suizid» gebe. Bei dieser Form der Sterbehilfe dürfe der Mediziner das todbringende Medikament nicht selbst verabreichen, sondern nur verschreiben. Die Suizidbeihilfe in Oregon sei seit 1997 an strenge Voraussetzungen gekoppelt. Und schliesslich die Schweiz, wo «Hunderte zum Sterben hinreisen». Hierzu schreibt die Zeitung: «In der Schweiz ist die Sterbehilfe nicht explizit durch ein Gesetz geregelt. Es ist lediglich festgelegt, dass sich strafbar macht, wer einen anderen tötet oder aus "selbstsüchtigen Beweggründen" beim Sterben hilft. Daraus wird die Rechtsauffassung abgeleitet, dass der assistierte Suizid legal ist, solange er aus altruistischen Motiven erfolgt. Im Gesetz sind keine Voraussetzungen für diesen Akt festgelegt.»

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«Wir fahren jetzt zum Sterben nach Liestal.»
Emanoila und Johann Seitz aus Deutschland

Sehr ausführlich und multimedial berichtet «Addendum» über «Sterbehilfe – eine Dienstleistung wie jede andere?». Das österreichische Journalistenteam «Addendum» sagt von sich, dass es «das sucht, was fehlt» um «seinen Beitrag zur Wiederherstellung einer gemeinsamen Faktenbasis für eine qualifizierte politische Debatte zu leisten.» «Addendum» gliedert seine Artikel, TV-Reportagen, Videos und Interviews in sieben Teile und fängt mit «Psychisch Kranker bekam Sterbehilfe: „Ich denke, dass er beeinflusst war“ – Ein psychisch kranker Mensch nimmt Sterbehilfe in Anspruch. Dabei bleiben viele Fragen offen», gefolgt von «„Auch in Österreich das Licht der Freiheit anzünden“ – Sterbehilfe soll für alle möglich sein, fordern Gründer und Vereinsleiter der schweizerischen Organisation Dignitas.». Mit «Tod auf Rezept: Ungleichheit in Europa – assistierter Suizid, aktive, passive und indirekte Sterbehilfe: Was wo erlaubt ist, variiert in Europa stark» geht Addendum auf die Rechtslage in Europa ein. Sie reiche vom völligen Verbot bis hin zu Sterbetourismus-Paketen. Schliesslich werfen die Journalisten einen Blick in ihr eignes Land: «Ein gutes Ende – Palliativversorgung in Österreich. Wie sieht es mit der Palliativversorgung für unheilbar Kranke in Österreich aus?». Im fünften Teil «26 Tage bis zum Tod» begleitet die Fotografin Sandra Hoyn die psychisch kranke Aurelia aus den Niederlanden in den letzten Wochen vor ihrem Tod. Im sechsten und siebten Teil fällt der Scheinwerfer auf die Schweiz: «Tödliche Hilfe – zum Sterben ins Ausland. Begleitung von Menschen auf ihrer letzten Reise: in die Schweiz zum Sterben und „Wir fahren jetzt zum Sterben nach Liestal“.» Addendum hat ein Ehepaar beim Freitod begleitet. Die Journalisten berichten auch darüber, warum sie dies taten.
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