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Mit drei neuen Vorstandsmitgliedern in die Zukunft

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Mehr als 30 Personen waren im Saal nicht zugelassen: Viel Abstand, Masken, aber auch das Bedürfnis nach Netzwerken an der Mitgliederversammlung von palliative zh+sh. (Bilder: Gabriela Meissner)

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16. September 2020 / Region
Statt wie üblich im Frühjahr bestellte palliative zh+sh erst Anfang September die Verbandsgeschäfte. Die für den Saal zugelassenen 30 Mitglieder genehmigten Budget und Rechnung und gaben auch grünes Licht für die Erneuerung des Vorstands. Zum Abschluss stellte Klaus Fetscher das Stadtzürcher Pilotprojekt Palliative Care vor.
Maskenschachteln, Desinfektionsmittelspender und viel Abstand – mittlerweile hat man die nötigen Vorschriften bereits im Griff. Maximal 30 Personen waren für den Saal im Centrum 66 am Zürcher Hirschengraben zugelassen, damit der Abstand gewährleistet werden konnte. Entsprechend fand die Mitgliederversammlung von palliative zh+sh in kleiner Besetzung statt, nachdem der Termin vom Frühling auf den 9. September verschoben werden musste. Ilona Schmidt, bislang mit Andreas Weber als Co-Präsidentin tätig, begrüsste die Anwesenden und führte durch die Versammlung.

Im Jahresbericht 2019 fanden beispielsweise die Fachtagung im Juni zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, der Umzug der Geschäftsstelle ins Zentrum der Stadt Zürich oder die Weiterführung der ACP-Beratungen in der Geschäftsstelle Niederschlag. Ebenso die aktive Mitarbeit in nationalen Gremien, wenngleich Ilona Schmidt bedauerte, dass Monika Obrist, Geschäftsleiterin von palliative zh+sh, im Juni 2020 das Präsidium von palliative ch an Marina Carobbio Guscetti, Ständerätin und Medizinerin aus dem Kanton Tessin, weitergegeben hatte.

Nutzerzahlen schnellten in die Höhe
Der späte Termin der Mitgliederversammlung ermöglichte es, nebst dem vergangenen Jahr auch auf die Tätigkeiten des laufenden Jahres zu blicken. Gerade zu Beginn der Pandemie im März galt es, innert kürzester Zeit Merkblätter zu verfassen, etwa jenes für Hausärztinnen und Hausärzte zum Umgang mit Risikopatienten, oder auch die Kurz-Patientenverfügung. Auf der Website von palliative zh+sh bot ein speziell eingerichteter Button Schnellzugriff auf sämtliche Informationen, die gerade in der akuten Phase praktisch täglich erweitert wurden. Die Informationen sorgten für einen immensen Anstieg der Nutzerzahlen auf der Website www.pallnetz.ch. Im März und April verzeichneten die Analysetools mehr als doppelt so viele Nutzerinnen und Nutzer. Die Kurz-Patientenverfügung verzeichnet bis dato rund 4'500 Downloads. Auch die Beiträge auf den sozialen Plattformen wurden häufiger gelesen oder geteilt als in normalen Zeiten. Im April 2020 erschien unser Buch «Wie ich behandelt werden will», das zwar bereits Anfang des letzten Jahres geplant wurde, thematisch aber hervorragend zu den Problemfeldern passte, welche die Pandemie mit sich gebracht hatte und entsprechend auf viel Resonanz stiess.

Ein vorsichtiger Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass der im letzten Jahr eingefahrene Verlust etwas abgemildert werden kann. Gleichwohl schrumpft das Eigenkapital von Jahr zu Jahr. Geschäftsleiterin Monika Obrist zeigte sich aber zuversichtlich bezüglich der Neuverhandlungen mit dem Kanton Zürich, der nächstes Jahr bevorsteht. Weder Jahresbericht noch Budget oder Rechnung gaben Anlass zu Fragen und wurden von den Mitgliedern einstimmig genehmigt.

Pionierinnen und Pioniere ziehen sich zurück
Das wichtigste Traktandum des Abends war die Besetzung des Vorstands, nachdem mit Co-Präsident Andreas Weber, Matthias Fischer, Heidi Dazzi, Stefan Obrist und Elisabeth Fankhauser gleich fünf verdiente Wegbereiterinnen und Wegbereiter der Palliative Care ihren Rücktritt angekündigt hatten. Ilona Schmidt verabschiedete die langjährigen Vorstandsmitglieder und ihren Präsidiumskollegen einzeln mit viel Dank und Bewunderung für die immense Schaffenskraft für palliative zh+sh. «Die Pionierinnen und Pioniere ziehen sich langsam zurück», sagte Schmidt und gab unumwunden zu, dass ihre Lobesworte dem Wirken der scheidenden Vorstandsmitglieder kaum gerecht würden.

Andreas Weber, der 17 Jahre lang im Vorstand tätig war, wandte sich in einer kurzen Ansprache an die Versammlung. Ihm liege einerseits die Palliative Care im häuslichen Bereich sehr am Herzen. In den letzten Jahren habe man mit der Gründung der SPaC, dem Verband spezialisierter Palliative Care Leistungserbringer, einen gewissen Durchbruch erreicht. «Inzwischen haben mehr oder weniger alle Gemeinden im Kanton Zürich Verträge mit einem ambulanten Team.» Andererseits sei ihm auch die Notfallplanung wichtig. Nach ersten Projekten 2006 würde mittlerweile m Kontext von Advance Care Planning die Notfallplanung auf die Behandlungsziele ausgerichtet. «So können wir klären, ob jemand am Leben hängt oder ob er primär symptomatisch behandelt werden möchte. Dann gelingt es, dass diese Menschen bis zum Schluss zu Hause bleiben können», schloss Weber.

Neu in den Vorstand gewählt wurden David Blum, Assistenzprofessor Palliative Care UZH und ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums Palliative Care am UniversitätsSpital Zürich, Helen Trautvetter, Pfarrerin und Beauftragte für Palliative Care der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich sowie Fabienne Walder, diplomierte Pflegefachfrau. Inskünftig präsidiert Ilona Schmidt den Verband mit Unterstützung von Vizepräsidentin Isabelle Weibel. Die Mitglieder verdankten die Arbeit des Vorstands mit Applaus.

Zweijähriges Pilotprojekt mit 1,4-Millionen-Budget
Nach einer kurzen Verpflegungs- und Netzwerkpause referierte Klaus Fetscher von den Städtischen Gesundheitsdiensten Zürich Pilotprojekt Palliative Care in der Stadt Zürich. Es gehe um ein Konzept zur Schliessung der wesentlichen Versorgungslücken, erklärte Fetscher. Der Kickoff im vergangenen März war allerdings von der Pandemie geprägt und kam etwas ins Stocken. Nachhaltige Erkenntnisse oder Ergebnisse konnte Fetscher noch nicht präsentieren. Das Projekt soll sich über zwei Jahre bis Dezember 2022 erstrecken und verfügt über ein Budget von 1,4 Millionen Franken. Einerseits geht es darum, die städtische Bevölkerung insgesamt, aber auch speziell Betroffene und nahestehende Bezugspersonen über den Nutzen von Palliative Care zu informieren. «Wir erwarten von dieser Massnahme, dass die Bereitschaft und Fähigkeit der städtischen Bevölkerung steigen wird, sich mit Themen wie Sterben und Tod auseinanderzusetzen», erklärte der Referent. Auch Fachpersonen will man informieren und weiterbilden, als Bildungsstätte dient das Kompetenzzentrum für Palliative Care des Stadtspitals Waid. Fetscher zeigte aber auch auf, dass der Zugang zu Informationen von verschiedenen Faktoren, wie etwa Geld, Bildung oder Herkunft abhängig ist. Hier will man genau prüfen, über welche Kanäle man welche Bezugsgruppen erreichen kann.

Eine weitere wichtige Massnahme ist auch, allen Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegezentren oder Alterswohnungen sowie Patienten der Stadtspitaler Zugang zu Leistungen der allgemeinen Palliative Care erhalten. Dies umfasst auch die gesundheitliche Vorausplanung. Dafür nötig ist die Weiterentwicklung der mobilen Palliative-Care-Teams innerhalb der Stadt. Dafür sollen die entsprechenden Verträge mit den Spitex-Organisationen weiterentwickelt werden, um sicherzustellen, dass die mobilen Teams nicht nur in Privathaushalten, sondern bei Bedarf auch in Institutionen der Langzeitpflege und -betreuung eingesetzt werden könnten. Ein Knackpunkt hierzu ist es, geeignete Modelle zur Finanzierung dieser Leistungen zu finden. Insgesamt umfasst das Projekt sechs Massnahmen. Er hoffe, dass nach der Pilotphase das Budget für Palliative Care im Haushalt der Stadt implementiert werden könne, sagte Fetscher und kündigte an, dass er gerne an einer der nächsten Mitgliederversammlungen über den Fortschritt des Projekts informieren würde.
palliative zh+sh, Gabriela Meissner