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Palliative Care für alle schwer Kranken: Noch keine Realität

Palliative Care für alle schwer Kranken: Noch keine Realität

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Gespräche mit Schwerkranken über ihre Wünsche zum Lebensende und ein insgesamt besserer Zugang zu Palliative Care könnte die Lebensqualität von Betroffenen wesentlich erhöhen. (Bild: Fotolia)

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20. Juli 2016 / Wissen

Schwerkranke Menschen erhalten am Ende ihres Lebens am ehesten dann umfassende End-of-Life-Care, wenn sie an Krebs leiden. Für Betroffene mit anderen schweren Krankheiten ist der Zugang zu Palliative Care schwieriger. Das zeigt eine amerikanische Studie.



«Wir müssen unser Weltbild erweitern, über den Krebs hinaus.» Das schrieb Eric Widera kürzlich im Blog «GeriPal» in einem Beitrag über eine Studie, die untersuchte, wie Menschen mit anderen schweren Erkankungen als Krebs am Ende ihres Lebens betreut wurden. Die Studienergebnisse zeigten, dass sich Palliative Care als Fachgebiet stärker darum bemühen müsse, den Zugang zu Leistungen der Palliative Care für alle zu verbessern , die mit einer schweren Krankheit leben, unabhängig von der genaueren Diagnose, findet Widera.

Sterben auf der Intensivstation

Die amerikanische Studie «Quality of End-of-Life Care Provided to Patients With Different Serious Illnesses» bringt zutage, dass betroffene Familien von wesentlich besserer Lebensend-Betreuung berichteten, wenn die Patientinnen oder Patienten an Krebs litten, als wenn sie von anderen Krankheiten betroffen waren. Das, so schlussfolgern die Studienautoren um Melissa W. Wachtermann, hänge mit der palliativen Betreuung zusammen.

74 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Krebs erhielten gemäss der Studie Palliative-Care-Leistungen. Bei den Betroffenen mit Demenz waren es 61 Prozent, bei jenen mit einer terminalen Nierenerkrankung 50 Prozent, von jenen mit der Lungenkrankheit COPD oder einer Herzinsuffizienz 47 und bei jenen mit Gebrechlichkeit oder Multimorbidität erhielten noch 44 Prozent Palliative Care. Zudem starben wesentlich mehr Patientinnen und Patienten mit einer der letztgenannten Erkrankungen auf der Intensivstation als Patientinnen und Patienten mit Krebs (13 Prozent) oder Demenz (9 Prozent). Fast ein Drittel (32 Prozent) der Betroffenen mit einer terminalen Nierenerkrankung starb auf der Intensivstation. Noch höher lagen diese Zahlen bei Betroffenen mit COPD oder Herzinsuffizenz (34 Prozent) und bei Betroffenen mit Gebrechlichkeit (35 Prozent).

Zugang für alle verbessern

Die Studienautoren aus Massachusetts und Pennsylvania schreiben, ein besserer Zugang zu Palliative Care sowie ausführliche Gespräche über Ziele von Betreuung und Behandlung, die unter anderem die Wünsche für das Lebensende thematisieren würden, könnten die Qualität der End-of-Life-Care für Amerikaner_innen insgesamt verbessern. Auch für jene, die an einer anderen Krankheit als einer Krebskrankheit sterben würden.

Untersucht wurden für die Studie die Daten von 57'753 Patientinnen und Patienten, die zwischen Oktober 2009 und September 2012 in einer von 146 verschiedenen Institutionen gestorben waren und an einer der fünf oben genannten Krankheiten litten. Die Studienergebnisse wurden Ende Juni im «JAMA International Medicine» publiziert.
JAMA Intern Med / GeriPal / palliative zh+sh