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«Pallivita Bethanien» schliesst per Ende Oktober 2018

«Pallivita Bethanien» schliesst per Ende Oktober 2018

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Wird geschlossen: «Pallivita Bethanien» an der Buckhauserstrasse 36 in Zürich (Bild: zVg).

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05. September 2018 / Region
In einem Schreiben teilt die Diakonie Bethanien mit, dass das «Pallivita Bethanien» per 31. Oktober 2018 geschlossen werde. Nach 10 Jahren Pionierarbeit ziehe sich die Diakonie Bethanien aus dem Bereich der Palliative Care zurück. Der Bedarf an Palliative Care-Betten sei durch die öffentliche Hand mehr als gedeckt, ein weiteres karitatives Engagement der Diakonie Bethanien sei deshalb nicht mehr angezeigt.
«Natürlich ist es schade, dass das „Pallivita Bethanien“ seine Türen schliesst und damit seine Hospizbetten sowie die Expertise der Fachpersonen nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber es ist tatsächlich so, dass in der Stadt Zürich genügend Hospizplätze bereitstehen – im Gegensatz zu den zürcherischen Landregionen», sagt Monika Obrist, Geschäftsführerin palliative zh+sh. Gerade für und in Letzteren sieht sie Handlungsbedarf: «Die Schliessung des „Pallivita“ führt vor Augen, dass eine Konzentration von Hospizplätzen in der Stadt Zürich nicht der richtige Weg ist. Vielmehr braucht es eine enge Zusammenarbeit und gute Koordination mit den palliativen Grundversorgern und den spezialisierten Palliativstationen – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt.» Aktuell führt Beat Sottas (freischaffender Berater, Forscher und Publizist in den Bereichen Bildung im Gesundheitswesen und Gesundheitspolitik) im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG eine Studie durch, in der er untersucht, wie viele Hospizbetten es braucht, welchen Nutzen sie den Patientinnen und Patienten, den Angehörigen sowie den Grundversorgern bringen und wie sie sinnvollerweise in die Versorgungslandschaft eingebettet werden sollen.

Vom Novum bis zur Schliessung

2008 wurde an der Restelbergstrasse 7 in Zürich Fluntern das ursprüngliche «Pallivita Bethanien» eröffnet. Damals war es noch ein Novum, denn Palliative Care war erst wenigen ein Begriff, und nebst dem Lighthouse gab es in der Region Zürich kaum vergleichbare Angebote. Die geleistete Arbeit war und sei von hoher Qualität und Wichtigkeit für die betroffenen Menschen und deren Angehörige, betonen die Verantwortlichen. Doch bereits zu dieser Zeit sei die Finanzierung der spezialisierten Pflege nicht kostendeckend gewesen.

Mit dem Umzug an die Buckhauserstrasse 36 wagte die Diakonie 2016 einen Neustart: Nicht nur an einer neuen Adresse in neuen, modernen Räumlichkeiten, sondern auch mit einem neuen Konzept. Bereitgestellt wurden ursprünglich 32 Betten, doch nur ein kleiner Teil davon sei in den vergangen zwei Jahren belegt gewesen.

Die Strategie der Diakonie Bethanien sehe vor, dass Betriebe, die eine Lücke im sozialen Angebot abdecken, nicht kostendeckend wirtschaften müssen. Das Defizit würde durch die Diakonie Bethanien, im Sinne der Tradition der Diakonie, übernommen, also als karitatives Engagement, ist im Informationsschreiben weiter festgehalten.

Das Angebot an Palliative Care Betten sei in den vergangenen Jahren – insbesondere in Spitälern auf dem Platz Zürich – stark ausgebaut worden. Damit bestehe keine eigentliche Lücke mehr im Angebot. Ausserdem seien im Gegensatz zum Heimaufenthalt beim Spitalaufenthalt auch die Hotellerie-Leistungen durch die Krankenversicherung gedeckt und damit die Finanzierung gesichert. Das sei in einer Institution wie das «Pallivita Bethanien», welches als Heim gilt, nicht der Fall. Dies habe die Problematik zusätzlich verschärft. So stieg das Defizit 2017 markant an und auch die Zahlen im 2018 wiesen in eine ähnliche Richtung.

Bis zur Schliessung stehe das Pallivita-Team wie gewohnt zur Verfügung, Patienteninnen und Patienten würden weiterhin mit grosser Sorgfalt und Engagement betreut und gepflegt und gegebenenfalls bei der Suche nach einer passenden Anschlusslösung unterstützt.
Diakonie Bethanien, palliative zh+sh, cbu