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Studie zeigt Angebotslücken in ambulanter Pflege und Betreuung auf

Studie zeigt Angebotslücken in ambulanter Pflege und Betreuung auf

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Viele Menschen werden in letzten Lebensphase von anderen Menschen abhängig. Dies sind häufig Angehörige, die enorm viel Gratisarbeit leisten. Oder Freiwillige wie auf dem Bild: Fahrdienst der Pro Senectute (Bild: Nadia Neuhaus/Pro Senectute)

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01. Oktober 2015 / Wissen
Da immer mehr Seniorinnen und Senioren zuhause leben, steigen auch die Kosten für die ambulante Pflege und Betreuung an. Pro Senectute Schweiz hat eine Hochrechnung initiiert und zeigt in ihrer Studie «Erst agil – dann fragil» konkrete Angebotslücken auf.

Der grösste Teil der Menschen, die älter als 65 sind, lebt heute noch in der eigenen Wohnung. Zurzeit sind das rund 90 Prozent aller in der Schweiz lebenden 1,4 Millionen Senioren. Auch bei hochaltrigen Menschen ab 85 seien es immer noch mehr als die Hälfte (57%), schreibt die Pro Senectute in einer Medienmitteilung von heute. Bis 2030 wird die Zahl der Über-65-Jährigen auf rund 2,2 Millionen ansteigen. Laut Berechnungen des Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen bleibt jedoch der Anteil der zuhause lebenden Senioren konstant. Das bedeutet, dass in 15 Jahren insgesamt mehr Menschen und vor allem mehr Hochaltrige in ihren eigenen vier Wänden leben werden.

Diese an sich erfreuliche Tatsache habe einschneidende Folgen, heisst es im Communiqué weiter. «Die Gesundheitskosten für zuhause lebende Senioren, welche Unterstützung nötig haben, werden gemäss konservativen Schätzungen von heute 7,2 Milliarden auf 10,5 Milliarden Franken im Jahr 2030 zunehmen.» Dies entspricht einem Anstieg von 45 Prozent.

«Die Betreuung nicht einfach den Angehörigen überlassen»

Schwierig ist dabei, Pflege und Betreuung voneinander abzugrenzen. Die Bereiche gehören eng zusammen, werden aber aus unterschiedlichen Quellen gespeist. Pflegekosten übernimmt die obligatorische Krankenversicherung bis zu einer bestimmten Grenze, die Restkosten regeln die Kantone. Die Betreuung hingegen wird mehrheitlich privat oder über Ergänzungsleistungen finanziert oder gratis von Angehörigen geleistet. Die Pro Senectute fordert deshalb neben zusätzlichen Angeboten, mit denen daheim lebende Senioren besser erreicht werden, «grundsätzliche Überlegungen zur Finanzierung dieses Bedarfs». Dieser Appell richte sich nicht nur an die Politik, sagt Judith Bucher, Mediensprecherin der Pro Senectute. Sondern an alle Akteure im Altersbereich wie private und öffentliche Spitex-Dienste und Krankenkassen. «Die Betreuung kann man nicht einfach den Angehörigen überlassen», so Bucher.

Der Fokus der Pro-Senectute-Studie liegt zum einen auf dem Übergang vom «dritten» ins «vierte» Lebensalter und welche Unterstützung dabei nötig ist. Da die Lebensphase Alter immer länger und vielfältiger wird, unterscheiden die Studienautoren die dritte Phase – jene nach der Pensionierung, die in vielem der vorangegangenen zweiten Phase gleicht – von einer letzten, vierten Phase. In vielen Fällen ist diese geprägt von einer zunehmenden Fragilisierung und führt dazu, dass die Betroffenen im hohen Alter von anderen Menschen abhängig werden. Zum anderen fragten die Studienverfasser, welche Menschen besonders vulnerabel, also verletzlich, sind und besonders Probleme haben auf Veränderungen in ihrem Leben zu reagieren. Die Untersuchung besteht aus einem quantitativen und einem qualitativen Teil. In letzterem dienen Interviews mit Expertinnen und Experten als Basis.

«Alle Spitex-Dienste gleich behandeln»

Eine andere Studie, verfasst von Stefan Felder von der Universität Basel, kommt ebenfalls zum Schluss, dass sich in der ambulanten Pflege eine Versorgungslücke auftut. Da die Pflegebedürftigen älter werden und häufig an mehreren Krankheiten leiden, steige die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen. Gesundheitsökonom Felder rät, die ambulante Pflege zu stärken und alle Spitex-Organisationen mit kantonaler Betriebsbewilligung gleich zu behandeln. Felder hat die Studie im Auftrag der Association Spitex privée Suisse ASPS verfasst.
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