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Was sich alte Menschen wünschen, wenn der Tod naht

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Sehr alte Menschen würden gerne über das Sterben reden, erhalten dazu aber offenbar wenig Gelegenheit, sagt eine neue Studie zum Thema. (Bild: Fotolia.de)

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13. Juni 2016 / Wissen

Wir leben immer länger. Heute sterben darum auch immer mehr Menschen im Alter von über 90 Jahren. Sie haben ganz andere Bedürfnisse und brauchen im Schnitt deutlich mehr Unterstützung als alte Menschen in ihren späten 80ern. Was sie aber wirklich wünschen, wissen wir kaum.



Die Forscherin Jane Fleming fand zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in einer Studie heraus, dass Menschen ab 95 den Tod zwar mehrheitlich als Teil ihres Lebens erachten und gerne über ihr Sterben sprechen, dazu jedoch nur selten Gelegenheit haben. Die Forschenden sprachen ausführlich mit 33 Frauen und Männern, die mindestens 95 Jahre alt waren.

Fleming moniert, es gebe zwar einige Studien über die Situation von alten Menschen, aber diese konzentrierten sich mehrheitlich auf die «jüngeren Alten» bis 85. Da sie aber selber in einer früheren Studie herausgefunden hatte, dass Menschen, die zum Todeszeitpunkt über 90 sind, in ihrem letzten Lebensjahr deutlich mehr Unterstützung benötigten als Menschen, die in ihren späten 80ern sterben, drängte sich für sie die Frage auf: Was wissen wir daüber, was die ältesten Alten eigentlich wollen, wenn es um ihre Betreuung am Ende des Lebens geht?

Wichtige Gespräche führen

In den intensiven Gesprächen für ihre neue qualitative Studie fanden Fleming und ihr Team heraus, dass sich viele dieser alten Menschen nicht zu sehr um das Morgen sorgen. Sie sagten oft, sie nähmen jeden Tag wie er kommt, der Tod sei für sie Teil des Lebens. Einige der Befragten warteten sogar ungeduldig auf den Tod. Sorgen bereitete ihnen aber der Prozess des Sterbens. Die meisten Betroffenen wünschten sich eine Betreuung, die ihnen das Lebensende und das Sterben so angenehm wie möglich machten, medizisch-kurative Behandlungen waren für sie weniger wichtig. Und: Sie wünschten sich, nicht ins Spital zu müssen. Sorgen bereitete den Befragten ausserdem, wie ihr Umfeld mit ihrem Tod zurechtkommen würde.

Interessant ist, dass die Forschenden herausfanden, dass das Verständnis der Familien nur selten von den Wünschen der alten Menschen abwich. Dennoch: Um sicherzugehen, dass die Wünsche der Betroffenen berücksichtigt werden, sei es sehr wichtig, mit den alten Menschen die konkreten Optionen für ihre Situation durchzusprechen und nicht einfach davon auszugehen, dass die Familie sowieso wisse, was man wolle. Die Bereitschaft der Betroffenen, diese Gespräche zu führen und ihre Wünsche angesichts des Todes zu formulieren ist gemäss dieser Studie allgemein sehr gross. Nur wenige zeigten kein Interesse, darüber zu sprechen. Jedoch erwähnten viele der Befragten, dass sie bis anhin nicht über den Tod geredet hatten, oder wenn, dann in Form von Anspielungen oder mit Humor übertüncht.

Jane Fleming schreibt darum in einem Artikel in «The Conversation», um die Betreuung für alte Menschen zu planen und um für eine Welt vorbereitet zu sein, in der eine grosse Anzahl von Menschen in einem sehr hohen Atler stirbt, müssen wir mehr wissen über die Prioritäten sehr alter Menschen an der Schwelle zum Tod.
Medinside / PLOS ONE / palliative zh+sh