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«Wir wollen weiterhin letzte Wünsche erfüllen»

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Im Sommer 2020 ermöglichte die Wunschambulanz Sarahs letzten Wunsch: An der Hochzeit ihrer Freundin als Trauzeugin dabei sein zu können. Nur wenige Tage später verstarb Sarah. (Screenshots: gme/Wunschambulanz.ch)

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04. Dezember 2020 / Region
Die Wunschambulanz.ch leistet einen wichtigen Beitrag zur guten Betreuung am Lebensende in der Schweiz. Die Corona-Pandemie geht aber auch am gemeinnützigen Verein alles andere als spurlos vorbei: Um weiterhin letzte Wünsche erfüllen zu können, braucht die Wunschambulanz dringend finanzielle Unterstützung. Eine Crowdfunding-Kampagne soll helfen.
In diesem Jahr konnte die Wunschambulanz.ch – trotz stetig steigender Nachfrage – nur wenige Wünsche erfüllen. In «normalen» Zeiten können schwerkranke Menschen, ihre Angehörigen und andere Betreuende die Wunschambulanz rufen, wenn sie einen letzten Wunsch haben. Ein letztes Mal zum Lieblingsplatz am See fahren, noch einmal am alljährlichen Familienfest teilnehmen, eine nahestehende Person noch einmal treffen: Es sind oft vermeintlich kleine Wünsche, die Menschen am Lebensende hegen. Wer aufgrund seiner gesundheitlichen Situation aber zu wenig mobil ist oder medizinische Begleitung braucht, steht auch mit solchen Wünschen vor einer grossen Herausforderung. Hier hilft der Verein Wunschambulanz.ch SAW mit seinen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Diese sind ehrenamtlich tätige Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen. Mit dem eigenen, speziell eingerichteten Ambulanzfahrzeug holen sie die Betroffenen ab und begleiten sie auf ihrer Wunscherfüllung.

Die Spendeneinnahmen sind weggebrochen
Während der ersten Welle der Pandemie musste die Wunschambulanz zahlreiche Anfragen ablehnen. Wunscherfüllungen waren unter den bekannten Umständen schlicht nicht möglich. Gerade als die Wunschambulanz ihre Tätigkeit langsam und zaghaft wieder aufzunehmen begann, rollte die zweite Welle an und verunmöglichte Wunscherfüllungen erneut. Dass die letzten Wünsche von sterbenden Menschen nicht erfüllt werden konnten, schmerzte alle Beteiligten. «Schweren Herzens müssen wir unseren Betrieb vorübergehend einstellen», erklärte damals Petar Sabovic, Gründer und Präsident der Wunschambulanz.ch. Es kostete ihn grosse Überwindung, die telefonischen Anfragen für letzte Wünsche abzulehnen.
Dazu kommt, dass die Spendeneinnahmen zeitgleich fast vollständig wegbrachen. Denn diese stammen zum überwiegenden Teil aus – meist einmaligen – Spenden aus dem Umfeld jener, deren Wünsche dank der Wunschambulanz erfüllt werden können. Diese Einnahmen fielen ab dem Tag aus, an dem der Lockdown und die Besuchsverbote in Institutionen verkündet wurden. Und sie bleiben bis heute aus.

Die «Crowd» ist gefragt
Fast 80'000 Franken beträgt der nicht gedeckte Betriebsaufwand der Wunschambulanz.ch SAW im laufenden Jahr. Um das Fortbestehen der Wunschambulanz.ch SAW zu sichern, braucht es nun dringend Unterstützung von Spenderinnen und Spendern. Der Lotteriefonds des Kantons Zürich hat der Wunschambulanz.ch im Rahmen der ausserordentlichen Unterstützung im Zusammenhang mit
der Coronavirus-Pandemie einen Beitrag von CHF 35'000 gesprochen. Dafür ist die Wunschambulanz sehr dankbar. Sie bemüht sich weiterhin um Unterstützung. Die Wiederaufnahme der Tätigkeit, sobald die Situation das wieder zulässt, wird zusätzliche Kosten verursachen und bald wird es nötig sein, das Ambulanzfahrzeug für die Wunscherfüllungen zu ersetzen.
Darum braucht die Wunschambulanz nun die Hilfe des «Schwarms»: Auf der Plattform «I care for you» läuft noch bis Ende Jahr eine Crowdfunding-Kampagne. Wird das Ziel von CHF 77'000 erreicht, ist der Fortbestand der Wunschambulanz gesichert – und sie kann sich so bald als möglich wieder mit dem Erfüllen von letzten Wünschen beschäftigen. Und damit genau das tun, wofür sie letztlich gegründet wurde. «Wir wollen weiterhin letzte Wünsche erfüllen», sagt Petar Sabovic. «Jede Spende – egal wie hoch – ist für uns ein Schritt in diese Richtung und damit ein Grund zur Freude.»
palliative zh+sh, Elena Ibello