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Deutsche Uniklinik entwickelt Score zu schnellen Einschätzung von Palliative-Care-Bedürfnissen

Deutsche Uniklinik entwickelt Score zu schnellen Einschätzung von Palliative-Care-Bedürfnissen

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21. März 2016 / Wissen
Das Durchschnittsalter von Menschen in Europa steigt ständig – und damit auch die Zahl jener, die aufgrund tödlicher Erkrankungen palliative Pflege benötigen. Doch immer wieder wird bemängelt, dass die Therapie zu sehr auf Lebenserhaltung anstatt auf Lebensqualität abzielt. Dieser Ansicht ist auch ein Team von Forscher_innen der deutschen Uniklinik Freiburg, die nun zum Thema eine Studie im Fachjournal «BMC Palliative Care» veröffentlichte (siehe Link in der Seitenleiste).

Anhand von Daten aus fast 40’000 Krankengeschichten zeichneten sie nach, wie stark Palliative-Care-Bedürfnisse («Palliative Care Needs», PCN) von der tatsächlichen Anwendung abweichen können. Bei 6,9 Prozent der Fälle (total 2’757) stellten die Autor_innen PCN fest, doch lediglich 56 davon (zwei Prozent) erhielten tatsächlich Palliative Care. Auch wenn die analysierten Daten aus 2004 und 2005 stammen – einer Zeit, wo spezialisierte Palliativ-Einrichtungen noch wenig verbreitet waren – zeigt das Ergebnis doch, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Palliative Care sollte so schnell wie möglich angewendet werden – im Idealfall sobald eine unheilbare, tödliche Erkrankung diagnostiziert wird, und nicht erst in der terminalen Phase, so die Autor_innen. Daher sei es wichtig, schnell und systematisch die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Rasche und präzise Einschätzung ermöglichen

Um das zu ermöglichen, haben die Freiburger Forscher_innen aus den ihnen vorliegenden Daten ein Framework entwickelt, mit dem in sechs Schritten einfach und nachvollziehbar der Bedarf an Palliative Care erhoben werden kann. Abgesehen von den Faktoren Alter und Ausmass der Pflege vor der Einweisung lassen sich die weiteren (Krebs, Metastasen, Alter, Abwesenheit von Verwandten und Leberzirrhose) mit Ja oder Nein beantworten. Mit einer standardisierten Gewichtung der Ergebnisse konnten die Forscher_innen einen Score errechnen, der sie dann jeweils sehr präzise die Einzelfälle einschätzen liess.

Der Vorteil dieses Vorgehens: Alle für den Score nötigen Informationen stehen nach der Einweisung in eine Klinik meist sofort zur Verfügung und erfordern keine langwierigen weiteren Untersuchungen. Die Autor_innen: «Unser Score trägt dazu bei die Palliative Care-Bedürfnisse zu identifizieren, was Ärzt_innen und Pfleger_innen wiederum erlaubt, schnell die nötigen Therapieschritte zu setzen.»