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«Eine Annäherung an die klinische Realität»

«Eine Annäherung an die klinische Realität»

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Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin DGP ist zufrieden: Bald sollen Palliativdienste ihren Zeitaufwand in Form einer einfachen Addition der Stunden, die vom Team insgesamt geleistet werden, erfassen können. (Bild: fotolia.de)

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17. August 2016 / Politik

Wie Leistungen in der Palliative Care abgerechnet werden sollen, darüber zerbrechen sich nicht nur in der Schweiz verschiedene Fachpersonen die Köpfe und versuchen, die Politik auf das Problem aufmerksam zu machen. In Deutschland atmen die Palliative-Care-Fachleute derzeit auf. Dort gelten neue «Mindestmerkmale für Palliativdienste» im Spital. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat diese neu festgelegt.



«Erstmals ist es gelungen, klare Kriterien für die Abrechenbarkeit und somit auch für die Planung und Gestaltung eines Palliativdienstes im Krankenhaus aufzustellen», sagt Dr. Bernd-Oliver Maier, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Er hat an der Erarbeitung des neuen «Kodes» mitgewirkt. Zu begrüßen sei aus Sicht der DGP insbesondere die zukünftig flexible Erfassung des Zeitaufwands in Form einer einfachen Addition der Stunden, die vom Team des Palliativdienstes insgesamt geleistet werden. «Das ist eine wichtige Annäherung an die klinische Realität!», so Maier, der als Chefarzt einer Klinik für Palliativmedizin und Onkologie in Wiesbaden die Vielfalt und den höchst unterschiedlichen Umfang der medizinischen, psychosozialen und spirituellen Anliegen von Patienten und Angehörigen gut kennt. Das wesentliche Ziel, palliativmedizinische Kompetenz am Patientenbett deutlich spürbar werden zu lassen, wird durch den praxisnahen Kode nachdrücklich gefördert.

Maier ist sich sicher, dass es diese Regelung sämtlichen Abteilungen eines Krankenhauses deutlich erleichtern kann, einen internen oder externen Palliativdienst zu Rate zu ziehen, sollte bei einem lebensbedrohlich erkrankten Menschen ein spezialisierter Versorgungsbedarf auftreten.

Chance für weitere Schritte

Eine zukunftsweisende Entscheidung sei ausserdem, dem Team des Palliativdienstes neben, Ärztinnen Ärzten und Pflegefachkräften erstmals mindestens eine_n Vertreter_in aus der Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Psychologie/Psychotherapie oder Physiotherapie/Ergotherapie zuzuordnen. Nur eine enge multiprofessionelle Zusammenarbeit im Team, so die DGP, gewährleiste eine umfassende Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen. Neu ist schliesslich auch, dass Krankenhäuser, die keinen eigenen Palliativdienst anbieten, die Leistungen eines externen Palliativdienstes in Anspruch nehmen können.

Die DGP will die Implementierung des neuen Angebots sorgfältig beobachten und wissenschaftlich begleiten. Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Fachgesellschaft, betont, dass der Auftakt einer Definition der «Spezialisierten palliativmedizinischen Komplexbehandlung durch einen Palliativdienst» auch der Politik eine grosse Chance für weitere Schritte, möglicherweise «Meilensteine», eröffne. Denn bislang verfügen nur etwa 15 Prozent der bundesweit rund 2000 Krankenhäuser über Palliativstationen. Von den übrigen Krankenhäusern haben nur sehr wenige einen multiprofessionellen Palliativdienst.

DGP (Karin Dlubis-Mertens) / idw