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Medienschau Oktober 2020

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Die Medienschau von palliative zh+sh gibt Einblick in die Berichterstattung zu Palliative Care und verwandten Themen des vergangenen Monats. (Bild: gme)

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Die Medienschau ist eine Momentaufnahme eines Ausschnittes der öffentlichen Diskussion zum Thema und bietet kurze Zusammenfassungen, zeigt Verknüpfungen auf und soll nicht zuletzt unterhalten und zur weiteren Lektüre der besprochenen Beiträge anregen. Wo vorhanden werden die Links zu den Beiträgen deshalb unter «Links zu den Beiträgen» aufgelistet.

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09. November 2020 / Medien
Schweizer Hospize haben es schwer. Obwohl noch in der Pilotphase ist das Hospiz in Schaffhausen bereits auf Spendensuche. Um ein Kinderhospiz wird hierzulande seit Jahren gerungen, doch die Finanzierung ist schwierig. Auch im Ausland sind Hospize auf Spenden angewiesen, wie ein Beispiel aus Österreich zeigt. Wir haben den Monat Oktober medial aufbereitet und sind auf lesenswerte Geschichten gestossen.
Schaffhausens Hospiz ist gerade ein Jahr alt geworden. So sehe kein von düsteren Ahnungen tapeziertes Vorzimmer zum Totenreich aus, beschreiben die «Schaffhauser Nachrichten» (Artikel kostenpflichtig) die Räumlichkeiten. Vielmehr präsentiere sich die kleine Intensivpalliativ-Station im Kompetenzzentrum Schönbühl mit zwei freundlich eingerichteten Einzelbett-Patientenzimmer in «geradezu wohnlichem Ambiente», mit einem gemütlichen Aufenthaltsraum mit Tischchen und Sesseln, einer Bar und einer modernen Küchenzeile. Die Erfahrungen nach dem ersten Jahr der dreijährigen Pilotphase zeigten, wird der Buchberger Pfarrer Beat Frefel als kantonalkirchlicher Beauftragter für Palliative Care im Artikel zitiert, dass es «ein sehr guter Ort» sei. Die Selbstbestimmung jedes einzelnen Patienten stehe immer im Zentrum, sagt Theo Deutschmann, Geschäftsleiter des Pflegeheims Schönbühl. Das seien die besten Voraussetzungen für den Todkranken, in Frieden und ruhig die Welt verlassen zu können, und ebenso für seine Angehörigen, dieses Ende tröstlich zu begleiten, Abschied zu nehmen und mitzugestalten. Die Belegung war indes höher als erwartet. Statt der erwarteten 80 Prozent erreichte man 85 Prozent. Im Schnitt dauerte der Aufenthalt zwölf Tage, die Bandbreite reichte von 24 Stunden bis zu mehreren Wochen. Gleichwohl wünscht sich Deutschmann frühere Eintritte zum Wohl der Sterbenden. Und er bedauert die vom Schaffhauser Kantonsrat durchgesetzte Redimensionierung des Hospizes von vier auf zwei Betten. «Eigentlich sollte stets ein Bett frei sein, um eine Patientin oder einen Patienten ungeplant aufnehmen zu können; das ist oft nicht möglich, und zurzeit befinden sich sogar fünf Kranke, die bei uns Aufnahme finden könnten, auf der Warteliste.» Das Parlament bewilligte für das redimensionierte Pilotprojekt total 1,95 Millionen Franken. Die Praxis zeigt, dass sich die Kosten für den Betrieb des kleinen Hospizes auf rund 850 Franken pro Tag belaufen. Die kantonale Defizitgarantie, die Abdeckung durch ordentliche Taxen und Pflegefinanzierung reichen nicht. Das Hospiz hat ein Spendenkonto eingerichtet.
«Alle Patientinnen und Patienten mit hochkomplexen Krankheiten sind an ein Zentrumsspital gebunden. Sie brauchen immer Spezialisten an ihrer Seite.» Eva Bergsträsser, Onkologin und Palliativmedizinerin vom Universitäts-Kinderspital Zürich

Auf ein Kinderhospiz wartet die Schweiz seit Jahren. Bislang vergeblich. Vor einiger Zeit hat der Zürcher Student Nick Glättli eine Einzelinitiative eingereicht, um den Prozess politisch zu beschleunigen. Im Kinderhospiz sollen unheilbar kranke Kinder mit kurzer Lebenserwartung palliativ begleitet und gepflegt werden. Aber was sagen Betroffene, was die Fachpersonen dazu? Die «NZZ» hat die Situation in einem Artikel aufgearbeitet und stellt die beiden Geschwister Ronja und Attila ins Zentrum, die beide an einem seltenen Gendefekt leiden. Dieser führte zu einer neurodegenerativen Krankheit, die bei den beiden Kindern unterschiedlich schnell fortschreitet. Mittlerweile können beide nicht mehr sprechen, sich kaum mehr bewegen, ernährt werden sie über eine Magensonde. Die Mutter der Geschwister, Eva Jäger, könnte sich vorstellen, das Angebot eines Kinderhospizes in Anspruch zu nehmen, insbesondere eine Entlastung der Eltern sowie psychologische Unterstützung würde sie sinnvoll finden. Sie funktioniere wie ein ganzes Management, und die Organisation koste sehr viel Energie, sagt Jäger, die ausschliesslich für die Betreuung ihrer Kinder da ist, während ihr Mann für das Familieneinkommen sorgt. Die Kinder sind teilweise in einer spezialisierten Schulreinrichtung und werden auch von der Kinder-Spitex betreut. Eva Jäger kann sich vorstellen, dass ihre Kinder in einem Hospiz auch ihre letzten Tage verbringen könnten. Wirklich nachgedacht habe sie aber noch nicht darüber.
Viele Eltern möchten ihre Kinder bis zuletzt zu Hause betreuen können, sagt Eva Bergsträsser, Onkologin und Palliativmedizinerin vom Universitäts-Kinderspital Zürich. Für ein Kinderhospiz sei die Bedürfnislage nicht klar, zudem fehle es an auf Palliative Care spezialisierten Fachpersonen. Am ehesten sieht sie ein Hospiz angegliedert an eines der Zentrumsspitäler in Zürich, Lausanne oder St. Gallen vorstellen, wo bereits Know-how in der Kinder-Palliative-Care vorhanden ist. «Alle Patientinnen und Patienten mit hochkomplexen Krankheiten sind an ein Zentrumsspital gebunden. Sie brauchen immer Spezialisten an ihrer Seite.» Doch: Eine kostendeckende Finanzierung all dieser Leistungen im ambulanten und im stationären Bereich sei gegenwärtig nicht gegeben, ein Kinderhospiz wäre genauso wie die Palliative Care am Kinderspital, auf Spenden angewiesen. Das weiss auch die Stiftung Kinderhospiz Schweiz, die sich seit zehn Jahren am Aufbau eines vorwiegend durch Spenden finanzierten Kinderhospizes zur temporären Entlastung, Betreuung und Begleitung von betroffenen Familien arbeitet. Nun habe die Stiftung seit kurzem eine konkrete Immobilie im Grossraum Zürich im Fokus, sagt Sprecherin Nicole Presti. Im Idealfall sei die Aufnahme des Hospizbetriebes im Laufe des Jahres 2023 möglich.

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In der Region Uzwil begleitet eine neu gegründete Hospizgruppe schwerkranke Menschen. Diese Freiwilligengruppe ist Teil des 2019 entstandenen Palliative Care Forums Region Uzwil. Ziel war es, eine Hospizgruppe aufzubauen, die allen Menschen der Region einen niederschwelligen Zugang zu Palliativversorgung ermöglicht, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet (Artikel kostenpflichtig). Die Gruppe nahm diesen Sommer ihre Tätigkeit mit elf Freiwilligen auf, darunter pensionierte Pflegekräfte, aber auch Junge und ein Mann. Besondere Voraussetzungen müssen die Freiwilligen gemäss Patricia Mojzisek, Leiterin des Palliative Care Forums, nicht mitbringen. Sie sollten sich aber im Klaren sein, dass das Begleiten von schwerkranken oder sterbenden Menschen nicht immer einfach und vor allem emotional anstrengend sei. Das typische Bild vom Händehalten am Bett findet Mojzisek aber mehr als unpassend. Vielmehr stehe das Aktive im Zentrum. Spazieren gehen, Gespräche führen oder gemeinsam Kaffee trinken. Für jeden Menschen bedeute Lebensqualität etwas anderes. Das gelte es zu respektieren.


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Anders die Hospizgruppe Goldach. Wegen Corona fehlt es dort an Freiwilligen. Statt auf bislang 17 Begleitpersonen, müssen die Einsätze nun auf gut zwölf verteilt werden, wie das «St. Galler Tagblatt» (Artikel kostenpflichtig) berichtet. Trotz der Vakanzen stellt Cornelia Krapf-Rütimann, die seit 2007 bei der Hospizgruppe dabei ist und heute vor allem die Koordinierung regelt, etwas klar: «Man darf kein Helfersyndrom haben.» Und man müsse bereit sein, mit dem Tod konfrontiert zu werden. Aber man mache keinen traurigen Job, sondern einen herzlichen. Die Hospizgruppe Goldach sei Pionierin, was die Sterbebegleitung anbelangt. 2003 wurde die Gruppe als lose Vereinigung gegründet. Bis heute lebt die Hospizgruppe ausschliesslich von Spenden.
www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/fuer-sie-gehoert-der-tod-zum-alltag-cornelia-krapf-ruetimann-leitet-die-hospizgruppe-goldach-wegen-corona-fehlt-es-an-freiwilligen-ld.1268377?reduced=trueAchtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster
Krapf-Rütimann leitet die Hospizgruppe Goldach – wegen Corona fehlt es an Freiwilligen. St. Galler Tagblatt, 19.10.2020 (Artikel kostenpflichtig)
«Tot sein ist nun mal Schmerz und Verwesung, das müssen wir versuchen, zuzulassen.» Martin Prein, Thanatologe und Bestatter

Wir alle werden mal zu einer Leiche, doch nicht allen ist das Thema gleich angenehm. In der Sendung «Sternstunde der Nacht» von «SRF» brachte Kriminalbiologo Mark Benecke ein ganzes Glas voller krabbelnder Schmeissfliegenlarven mit, die ihm in seiner Arbeit – wenn es darum geht, herauszufinden, wie lange eine Leiche bereits an einem Ort liegt – wertvolle Dienste liefern. Doch warum ekeln wir uns so vor verwesenden Körpern, die laut Benecke ja eigentlich nicht tot sind, sondern vielmehr anderweitig wiederverwendet werden? Thanatologe und Bestatter Martin Prein, ein anderer Gast der Sendung, macht darin eine tiefsitzende Todesangst aus, der wir uns stellen müssten. «Tot sein ist nun mal Schmerz und Verwesung, das müssen wir versuchen, zuzulassen.» Da helfe auch das Verniedlichende in Sterbesituationen mit Kerzen und Blumen nicht. Er sprach sich auch gegen das Herrichten von Leichen aus. Dieses massive Eingreifen habe etwas Aggressives. Krebs-Langzeitpatientin Sabine Mehne erzählte, wie sie sich mit ihrem Sterben auseinandersetzt. Sie möchte keine medizinische Behandlung mehr. Stille wünsche sie sich in der Sterbesituation, und sie würde gerne auf der Seite liegend sterben und auch so in den Sarg gelegt werden. Mit Palliativmediziner Steffen Eychmüller, Intensivmediziner Peter Steiger und Sterbebegleiterin Alexandra Schiller äusserten sich drei weitere Menschen mit einem breitengefächerten Fokus zum Thema Sterben und Tod. Eine Sendung, die man unbedingt gesehen haben muss.


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Hat Schweden seine Alten der Corona-Krise geopfert? Dieser Frage geht das deutsche Magazin «Der Spiegel» nach. So hätten sich die meisten Bewohner Schwedens gut aufgehoben gefühlt, als die Corona-Pandemie das Land erreichte. Trotz des schwedischen Sonderwegs ohne Lockdown fühlten sie sich sicher, da Staatsepidemiologe Anders Tegnell und die Regierung betonten, dass die Risikogruppen, vor allem die Alten, umfassend geschützt würden. Doch das Virus konnte sich in den Langzeitinstitutionen nahezu unkontrolliert verbreiten, was dazu führte, dass Schweden nahezu zehnmal mehr Corona-Tote zu beklagen hatte als die Nachbarländer. Bei den Verantwortlichen zeigte man sich «überrascht». Doch es gibt auch harsche Kritik innerhalb des Landes. Man habe nicht versucht, ihr Leben zu retten, sagt beispielsweise Anders Vahlne, emeritierter Professor für Virologie am Karolinska-Institut bei Stockholm. Obwohl es im Frühling offenbar immer freie Intensivbetten gab, wurden «ältere Alte» gar nicht erst ins Spital eingewiesen. Vielmehr galt die Devise der Triage. Die schwedischen Richtlinien definieren mehrere Gruppen - abhängig erstens vom biologischen Alter und zweitens von Vorerkrankungen - , die keine Intensivbehandlung erhalten sollen, falls das Gesundheitssystem seine Belastungsgrenze erreicht. Im Artikel wird von Krankenhausärzten berichtet, die manche der eingelieferten Covid-Patienten nicht angemessen hätten behandeln dürfen. Sie seien gezwungen worden, Menschen sterben zu lassen, die aber mit Intensivbehandlung eine gute Überlebenschance gehabt hätten. Die Vorfälle werden derzeit noch untersucht. Doch schon jetzt zeichne sich ab, hält «Der Spiegel» fest: «Der Tod wurde in Schweden geradezu eingeladen.»

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«Wir sind alle in dieser Zeit ein Stück einsamer geworden.» Dieser Satz sagt Andrea Schwarz, Hospizbereichsleiterin in einem Wiener Hospiz gegenüber der «Wiener Zeitung». Und das obwohl ihr Haus während der ersten Welle im Frühling die Ausnahmeregeln bezüglich Besuchenden beanspruchen konnte. Zwei Personen waren pro Hospizgast noch erlaubt, dies zwar rund um die Uhr, allerdings immer dieselben Personen. Doch auch das habe zu schwierigen Situationen geführt, etwa für Familien mit mehreren Kindern. Während sich manche ohne Diskussionen an die Vorgaben hielten, reagierten andere mit Unverständnis. «Meinem Angehörigen geht es doch schon so schlecht, was soll ihm da noch passieren», habe sie öfter gehört, so Schwarz. Doch sie ist überzeugt, dass die Covid-Symptome so schlimm seien, dass niemand daran sterben möchte, obwohl es vielleicht so wirke, dass ein früher Tod im Kreise der Liebsten einem einsamen Sterben vorzuziehen sei. Übrigens lebt auch dieses Hospiz vor allem von Spenden. Diese sind laut Schwarz seit dem Sommer um einen Drittel zurück gegangen.


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Zum Schluss eine wunderschön geschriebene, berührende Geschichte: «Sterben wollen soll man dürfen können», schreibt Autor und Satiriker Willi Näf als ersten Satz in der «BZ». Was dann folgt ist eine Erzählung über das Sterben seiner Mutter im Appenzell, wie sie unverblümter nicht sein könnte. Und doch ist sie eine Hommage an das Sterben. Und an seine Mutter. «Bevor wir Geschwister sie in unserem alten Appenzeller Bauernhaus die Stiege hinuntertrugen, sagte der Bestatter, er könne für das Einsargen draussen vor dem Haus gerne für einen Sichtschutz Richtung Strasse sorgen. Keinesfalls, habe sein Bruder gesagt. Bei ihnen dürfe man sterben, beschreibt Näf die Situation nach dem Tod. Doch er schreibt auch über die Monate vorher. Die Mutter sei organisatorisch mit Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Generalvollmacht, und Anmeldung im Altersheim aufs Sterben vorbereitet gewesen. Allerdings mochte sie sich von ihrem Hèèmetli nicht trennen. Ein Chrampf sei es zwar, doch drüben am Ettenberg gehe die Sonne so schön auf. Und in den letzten Jahren habe sie manchmal auch gesagt, dass, wenn der Tod käme, sie ihn nehmen würde. Im vergangenen Sommer war klar, dass die jährliche «Sippenwoche» wohl die letzte mit der Mutter sein würde. Der Vater ist etliche Jahre zuvor verstorben. Die ganze Familie traf sich, feierte, ass und sang, alles im Wissen, dass «Ma» bald sterben wird. Die jüngste Tochter des Autors verabschiedete sich von ihrer Grossmutter mit den Worten: «Seisch am Grossvater en liebe Gruess.» Was denn bleibe vom Leben, wenn der Tod nahe sei, wollte Näf von seiner Mutter wissen: «Dankbarkeit - und d’Goofe», gab sie zur Antwort und fügte hinzu: «Os däm, wo schwierig gsee isch, hani glernt, und säb wo schö gse isch, säb hani gnosse.» Zum Schluss schreibt Näf, dass er nie geweint habe um seine Mutter, er habe nur immer gedacht «Was für ein kolossal schöner Abgang von der Bühne des Lebens. Man kann nur Danke sagen. Egal wem.» Unbedingt lesen!
palliative zh+sh, Gabriela Meissner