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Medienschau Dezember 2023

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Die Medienschau von palliative zh+sh gibt Einblick in die Berichterstattung zu Palliative Care und verwandten Themen des vergangenen Monats. (Bild gme)

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Liebe Leserinnen und Leser unserer Medienschau. An dieser Stelle notierten wir bisher die Links auf die einzelnen Beiträge und Zeitungsartikel. Da immer mehr Verlage ihre Artikel durch eine Paywall schützen und man fürs Lesen des Textes zahlen muss, möchten wir künftig auf die ohnehin wenig genutzten Links verzichten.

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11. Januar 2024 / Medien
Die Schweiz ist kein Musterland, was das Sterben betrifft. In der Palliativmedizin sind noch viele Aufgaben zu lösen. Und dennoch zeigt der Blick in die Medienberichte des Monats Dezember einige Projekte, die erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
«Kann man in der Schweiz friedlich sterben?», fragt «swissinfo.ch» in einem Betrag von Mitte Dezember. Der assistierte Suizid in der Schweiz erregt immer wieder internationale Aufmerksamkeit. Aber wie steht es um die Palliativmedizin, eine weitere Möglichkeit, Menschen am Ende des Lebens zu begleiten? «Ich gehe in die Schweiz.» In einigen Ländern steht dieser Satz synonym für den Entscheid zum Freitod. Die Schweiz gehört zu den international «führenden», den liberalsten Ländern bei der Sterbehilfe. Rund 1500 Personen wählen pro Jahr den assistierten Suizid in der Schweiz, darunter auch Zugereiste. Aber die Schweiz ist kein Musterland, wenn es ums Sterben geht. In der Palliativmedizin hat sie noch viele Aufgaben zu lösen. Laut einer internationalen Studie liegt sie in der Rangliste der «Länder mit der besten Sterbequalität» nur auf Platz 13 von 81 Ländern. An erster Stelle steht das Vereinigte Königreich, das Ursprungsland der Palliativmedizin.

Die Anzahl der Palliativbetten in der Schweiz ist nicht ausreichend. Gemäss Empfehlung der European Association for Palliative Care werden für 1 Million Einwohnerinnen und Einwohner 100 spezialisierte Palliativbetten benötigt. In der Schweiz mit ihren 8,7 Millionen Menschen wären dies 870 Betten, mehr als das Doppelte der zurzeit verfügbaren Zahl. Die Palliativversorgung ist nach wie vor kein niederschwelliges Angebot. Denn die Palliativmedizin ist im Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) nicht gesondert geregelt. Einige Leistungen werden von der obligatorischen Krankenversicherung nicht übernommen, was zu hohen Kosten für die Betroffenen führen kann. Palliative-Care-Fachleute kritisieren ausserdem das Finanzierungssystem der Fallpauschale (DRG). Das Prinzip, dass für eine bestimmte Behandlung ein bestimmter Betrag bezahlt wird, werde den Bedürfnissen der Palliativmedizin überhaupt nicht gerecht.

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Nach Volksabstimmung und Ausschreibung konnten am 13. Dezember die Verträge mit den spezialisierten Leistungserbringern in Palliative Care unterschrieben werden. Dies berichtet das Onlineportal «Schaffhausen24.ch». Die Palliative Care Versorgung im Kanton Schaffhausen wird damit weiterhin durch das Hospiz am Kompetenzzentrum für Lebensqualität Schönbühl in Schaffhausen, den Mobilen Palliative Care Dienst der Krebsliga Schaffhausen sowie die Koordinationsstelle des Vereins palliative-schaffhausen.ch sichergestellt, welche diese Leistungen auch bereits während der Pilotphase erbracht haben. In der Volksabstimmung vom 18. Juni hatten sich 87 Prozent der Schaffhauser Stimmberechtigten für die Etablierung von spezialisierten Palliative Care Diensten ausgesprochen. Aufgrund der hohen jährlich wiederkehrenden Kosten von 960'000 Franken für den Kanton musste für die Fortführung der spezialisierten Dienste zusätzlich zur Volksabstimmung eine Ausschreibung im offenen Ausschreibeverfahren durchgeführt werden. Da neben den Bewerbungen der bisherigen Leistungserbringer keine weiteren eingingen und alle drei Angebote die geforderten Kriterien vollumfänglich erfüllen, erhalten die drei Dienste der Pilotphase den definitiven Zuschlag (siehe auch unseren Bericht).
Sechs Millionen Franken für Kinderhospiz Flamingo definitiv gesprochen
Das Kinderhospiz Flamingo in Fällanden erhält definitiv sechs Millionen Franken aus dem Gemeinnützigen Fonds, früher Lotteriefonds genannt. Der Kantonsrat hat diesen Betrag für die Stiftung Kinderhospiz Schweiz kurz vor Weihnachten mit 171 Stimmen genehmigt, wie mehrere Zeitungen mitteilten (siehe auch unseren Artikel). Das Quorum von 91 Stimmen für die Ausgabenbremse wurde problemlos erreicht. Gegnerinnen oder Gegner gab es keine. Im Kinderhospiz in Fällanden sollen schwer kranke junge Patientinnen und Patienten bei Bedarf vorübergehend aufgenommen werden, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Zudem sollen Kinder und Jugendliche dort auch die Möglichkeit erhalten, ihre letzten Tage würdevoll und zusammen mit ihrer Familie zu verbringen. Die Baukosten für das Flamingo belaufen sich auf rund 18 Millionen Franken.

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Bereits Anfang Dezember fand in Fällanden der Spatenstich fürs Kinderhospiz Flamingo statt. Mehrere Medien berichteten darüber (siehe auch unseren Beitrag). Es beherbergt Kinder, die eine unheilbare Krankheit haben und auf Palliativpflege angewiesen sind. Ihre Eltern und Geschwister werden davon profitieren, wenn sich die erkrankten Kinder tageweise im Hospiz zur Pflege aufhalten könnten. Pfarrerin Christina Huppenbauer, Leiterin Spezialseelsorge bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, sagt: «Es ist wichtig, dass Eltern und Angehörige in dieser Situation Unterstützung bekommen.» Die Seelsorge im Zusammenhang mit dem Tod von Kindern sei ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Doch anders als in den Nachbarländern gibt es in der Schweiz keine Kinderhospize. Allerdings sind drei Projekte im Gang – und unterschiedlich weit fortgeschritten.

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Im Kanton Aargau treten ab 1. Januar 2024 verschiedene neue gesetzliche Bestimmungen in Kraft – unter ihnen auch wichtige Neuerungen in der Pflegeverordnung. Die Normkosten für die Pflegeleistungen der stationären Pflegeeinrichtungen und der Pflege zu Hause werden im kommenden Jahr um insgesamt 4,9 Prozent erhöht. Konkret geht es um eine Lohnteuerung von 2,3 Prozent und eine Sachkostenteuerung von 2,6 Prozent. Das heisst, dass ab 2024 rund 20 Millionen Franken Mehrkosten auf die Gemeinden zukommen. Die spezialisierte Palliative Care gilt neben der Schwerstpflege und der Gerontopsychiatrie neu als drittes spezialisiertes Angebot in stationären Pflegeeinrichtungen. Der Grund: Die gängigen Bedarfsermittlungssysteme in Pflegeheimen können die zusätzlichen Pflegeleistungen gemäss Mitteilung «nicht adäquat abbilden». So ein Bericht der «Aargauer Zeitung».
Palliative Care Netzwerk auch im Entlebuch

Um die verschiedenen beteiligten Stellen in der Palliative Care untereinander besser zu vernetzen und damit rascher und effizienter die passende Unterstützung für schwer kranke und sterbende Menschen bereitzustellen, wurden in mehreren Regionen im Kanton Luzern so genannte Palliative Care Netzwerke gegründet. Das neuste Netzwerk gibt es nun in der Region Entlebuch (nw-entlebuch@palliativ-luzern.ch ). Es umfasst die neun Gemeinden Doppleschwand, Entlebuch, Escholzmatt-Marbach, Flühli, Hasle, Romoos, Schüpfheim, Werthenstein und Wolhusen. Kürzlich fand die Startveranstaltung dazu statt, wie «bote.ch» berichtet. Initianten sind der Verein Palliativ Luzern und die Spitex Region Entlebuch. Ziel und Zweck sind der Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses von Palliative Care. Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den verschiedenen Involvierten sollen gefördert und gestärkt werden. Zudem sollen Bevölkerung und Gemeindebehörden für die Dienstleistungen im Bereich Palliative Care sensibilisiert werden. Neben der Palliative Care Region Entlebuch gibt es bereits solche Netzwerke in den Regionen Willisau und Sempachersee. Ein weiteres Netzwerk ist im kommenden Jahr noch in der Region Wiggertal vorgesehen und später dann auch noch eines für die Stadt Luzern und Agglomeration.
Etwas für die tun, die noch leben!
An der Gemeindeversammlung in Unterägeri kam es zu einem denkwürdigen Moment, wie «zentralplus» berichtet. Die Gemeindeversammlung diskutierte über eine neue Aufbahrungshalle, die 3,5 Millionen Franken kosten soll. Plötzlich stand FDP-Mitglied Oliver Heiler auf, stellte sich hinters Mikrofon und enervierte sich: «Wir diskutieren hier über einen wahnsinnig kostenintensiven Ersatzneubau einer Aufbahrungshalle. Doch sollten wir nicht eher etwas tun für die, die noch am Leben sind?», fragte der frühere Berater von Bundesrat Johann Schneider-Amann. «Was machen wir für die Alten und für die Menschen, die sterben? Die Leute gehen in die Kantone Zürich und Luzern, denn der reiche Kanton Zug hat nicht einmal ein Sterbehospiz!» Im Gespräch mit dem Newsportal doppelte er nach. «Wir haben zwar künftig in Unterägeri eine Abdankungshalle, in der man Tote anschauen und sein Gewissen beruhigen kann. Doch wo steht die Politik bei den Menschen, die noch am Leben sind?» Heilers Aussagen lassen sich insbesondere im Bereich Palliative Care belegen. 2023 verfügten gemäss Zahlen des Bundes 23 Kantone über eine Palliative-Care-Strategie. Bei der Umfrage des Bundes nahm der Kanton Zug als einziger Kanton nicht teil. Zwar gibt es im Kanton Zug Organisationen wie den Verein Hospiz Zug, der sich auf die Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen spezialisiert hat. Betroffene Zugerinnen und Zuger, die einer stationären Betreuung bedürfen, müssen den Kanton verlassen. Sie reisen beispielsweise ins Hospiz Zentralschweiz, das 2020 in Littau eröffnet wurde. Oder in die Villa Sonnenberg im Zürcherischen Affoltern am Albis.

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Bei der Versorgung von sterbenden Kindern mit Krebs gibt es europaweit Engpässe. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Universität Luzern, wie das Onlineportal «nau» berichtet. Die Forscher nahmen dafür insgesamt 158 Kliniken aus 27 europäischen Ländern unter die Lupe. Ein Drittel der Einrichtungen räumte dabei ein, dass ihre Kapazitäten in der Palliativversorgung nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten sterbe immer noch eines von fünf an Krebs erkrankten Kindern in Europa, betonte die Universität Luzern in einer Mitteilung. Angebote zur Unterstützung von Kindern mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung und deren Eltern seien bei der Bewältigung von medizinischen, psychologischen und sozialen Problemen eine wichtige Hilfestellung.

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Die Mitteilung kam überraschend: Die «Gruppe zur Begleitung Schwerkranker und Sterbender Buchrain» löse sich per Ende 2023 auf, nachdem diese 2021 noch ihr 25-Jahr-Jubiläum begehen und auf eine rege Aktivität zurückblicken konnte. Die Mitglieder der Gruppe haben ehrenamtlich Sterbende sowie deren Angehörige unterstützt. Was ist passiert? Bernadette Kümin, seit 2003 im Leitungsteam, sagt der «Luzerner Zeitung»: «Der Wendepunkt für uns war die Coronapandemie mit all den behördlichen Einschränkungen. In dieser Zeit ist die Nachfrage regelrecht weggebrochen.» Aufgrund der Vorsichtsmassnahmen sei es praktisch zu keinen Einsätzen mehr gekommen. Danach habe sich die Nachfrage nicht erholt und sei «ausserordentlich bescheiden» geblieben. Generell würden die Menschen immer älter, viele Töchter und Söhne seien oft schon im Pensionsalter und könnten die Begleitung ihrer sterbenden Eltern selbst übernehmen. «Vor zehn, 15 Jahren war das noch ganz anders. Wenn man da jemanden fragte ‹Begleitest du deinen Vater, deine Mutter in den Tod?›, hiess es zumeist: ‹oh nein›», berichtet Kümin. Heute hätten viele Menschen offensichtlich einen anderen Zugang zum Tod bekommen. Die noch vorhandenen Geldmittel würden nun an Organisationen überwiesen, die mit dem Gedankengut ihrer Gruppe eng verbunden seien und ehrenamtliche Tätigkeiten ausführten.
Palliativheim mit vier Plätzen in Riaz eröffnet

Am 1. Januar eröffnete der Verein Pallia-Vie sein Haus in Riaz (Kanton Fribourg). Vier Personen können im neuen Palliativheim versorgt werden. Der Ort verspricht eine Alternative zum Krankenhausaufenthalt im Sterbeprozess. «Palliativpflege wie zu Hause» , das ist das Ziel des Pallia-Vie-Hauses, das lange nach einem Standort gesucht hat. Nun hat die Gemeinde Riaz zugestimmt und der Mietvertrag wurde am 22. Dezember unterzeichnet, wie «La Liberté» Ende Dezember schreibt. In einer Reportage berichtet der Journalist über die Arbeiten im eben übernommenen Haus. «Hier sind die Möbel noch verpackt, dort Kisten voller Töpfe und Geschirr: Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Rue Hubert-Charles Nr. 4 in Riaz nicht von einer anderen Unterkunft, die neue Mieter gerade erst beziehen. Doch hier, im alten Pfarrhaus, wird in wenigen Tagen das Pallia-Vie-Haus eröffnet.» Abgesehen von den Pflegebetten – finanziert durch Crowdfunding – lässt nichts auf die Nutzung der Räumlichkeiten schliessen. Es soll ein wirkliches Zuhause werden für Menschen am Lebensende. Die Initianten sehen das neuste Palliativheim im Welschland als die perfekte Ergänzung zu dem, was derzeit in der Palliativversorgung in der Region existiert. „Zu Hause zu sterben ist nicht einfach und der Zugang zu einem neutralen Ort kann hilfreich sein“, sagt Onkologe Yves Gremino, der 2001 die erste kantonale Palliativstation in Châtel-Saint-Denis gründete. Die Eröffnung des Pallia-Vie-Hauses ist der Höhepunkt eines langfristigen Projekts. Der ursprünglich in Bulle geplante Standort hatte zu mehreren Einsprüchen und einer Petition geführt. Mehr als die Existenz dieses Hauses hatte seine Lage in einem Wohngebiet Anlass zur Sorge gegeben.

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Sie ist jeden Tag mit dem Tod konfrontiert: Tanja Kauer (26) arbeitet als Pflegefachfrau auf einer spezialisierten Palliativ-Care-Abteilung. Dort begleitet sie Menschen beim Sterben. Ihre Patientinnen und Patienten haben unheilbare, lebensbedrohliche oder chronisch fortschreitende Krankheiten. «Hier geht es nicht mehr darum, jemanden von Kopf bis Fuss zu waschen, wenn er die Energie dazu nicht hat», sagt Tanja gegenüber dem «Blick». Wichtiger sei, darauf zu hören, was ein Patient sich wünscht und was seine Bedürfnisse sind. «Die Palliativpflege ist mein Job, aber die Situation dieser Menschen lässt mich natürlich nicht kalt.» Für sie ist es eine Herzensangelegenheit, die Betroffenen und ihre Angehörigen eng zu begleiten. «Ich fühle immer mit», erzählt sie. Der Pflegefachfrau kamen auch schon Tränen bei der Arbeit.

Tanja schätzt das Leben mehr, seit sie so oft mit dem Tod in Berührung kommt. Die Arbeit beeinflusst auch ihre Einstellung zum Sterben. «Ich bin sehr neugierig, was nach dem Tod kommt», sagt sie. «Darüber spreche ich oft mit meinem Partner.» Aber auch mit den Patienten auf der Palliativstation unterhalte sie sich über das Thema Tod. Die meisten seien ebenfalls neugierig. Viele verspüren eine Vorfreude darauf, bereits verstorbene Angehörige wiederzusehen. Die Menschen, die Tanja pflegt, geben ihr immer wieder Ratschläge: «Leb dein Leben!», «Mach deine Träume zur Wirklichkeit!», «Geniesse es!». An solche Ratschläge erinnert sich Tanja immer wieder. Früher hatte sie oft das Gefühl, dass sie noch dies oder das erledigen müsse. Nun achtet sie auch mal auf ihre eigenen Bedürfnisse, statt eine To-do-Liste abzuarbeiten.
palliative zh+sh / Bettina Weissenbrunner