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Medienschau April 2016

Medienschau April 2016

Weitere Infos

Die Medienschau von palliative zh+sh gibt Einblick in die Berichterstattung zu Palliative Care und verwandten Themen im vergangenen Monat. (Bild: palliative zh+sh)

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Weitere Infos zum Thema

Unter dem Titel «Medienschau» bietet palliative zh+sh regelmässig einen (unvollständigen) Überblick über die Berichterstattung in verschiedenen Medien zu Palliative Care und verwandten Themen. Für den Ferienmonat Juli liefern wir hier eine etwas kürzere Fassung als üblich.

Die Medienschau ist eine Momentaufnahme eines Ausschnittes der öffentlichen Diskussion zum Thema und bietet kurze Zusammenfassungen, zeigt Verknüpfungen auf und soll nicht zuletzt unterhalten und zur weiteren Lektüre der besprochenen Beiträge anregen. Wo vorhanden, werden die Links zu den Beiträgen deshalb in der rechten Spalte aufgelistet.

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10. Mai 2016 / Medien
Über das neue «Palliative-Café» in Schaffhausen berichteten die örtlichen Zeitungen ausführlich. Die Regionalgruppe Schaffhausen von palliative zh+sh, die soeben einen Verein gegründet hat, führt diese Veranstaltungsreihe in der Zwinglikirche Schaffhausen durch, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich übers Sterben auszutauschen. So schrieb der «Schaffhauser Bock», beim Palliative-Café könne man sich über «Themen zur Gestaltung des letzten Lebensabschnitts» sowie über Sorgen und Ängste, Wünsche und Hoffnungen austauschen. Am ersten Anlass berichtete die Pflegefachfrau Elisabeth Fankhauser über die Ziele und Möglichkeiten von Palliative Care. Die «Schaffhauser Nachrichten» brachten den Anspruch von Palliative Care mit einem Zitat von Fankhauser auf den Punkt: «Dafür sorgen, dass der Mensch in Würde bis zuletzt leben kann.»

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Der Sonntags Blick widmete im April dem Thema Sterben einen mehrseitigen Beitrag. Im Haupttext mit dem Titel «Sterben tun nur die anderen» formuliert der Autor Attila Albert seine Gedanken darüber, wie und weshalb wir immer noch ungern übers Sterben sprechen, obwohl es leichter geworden ist. Sein Fazit: Der Tod in Gestalt des «Sensemanns» ist «ein seltener, ungern gesehener Gast, aber er gehört zur Familie.» Der Hauptartikel bietet wenig Überraschendes, aber der Bericht bietet insgesamt einen schönen Beitrag für einen Gesprächseinstieg zum Thema. In weiteren Texten kommen verschiedene Personen zu Wort. So eine Witwe, die bedauert, dass kaum je Gespräche übers Sterben stattgefunden hatten: «Mein Mann hat den Gedanken zur Seite geschoben». Ausserdem eine Betroffene, die an Krebs leidet sowie ein ehrenamtlicher Sterbebegleiter.

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Der «Landbote» berichtet derweil über die zwei Hospizzimmer, die das Seniorenzentrum Wiesengrund in Winterthur seit rund einem Jahr betreibt (wir berichteten). Es sind die einzigen Hospizplätze in der Stadt. Laut dem Bericht decken sie derzeit den Bedarf. Auf der Etage im Seniorenzentrum, auf der die Hospizzimmer liegen, werden spezialisiert ausgebildete Mitarbeitende eingesetzt. Auch das MPCT Winterthur kann nötigenfalls unterstützen, die ärztliche Versorgung übernimmt Reto Palampuchi, der auf Palliativ- und Altersmedizin spezialisiert ist. Die Hospizbetten konnten relativ rasch eingeführt werden, nachdem die Leiterin des Zentrums Maja Rhyner eine Stifutung als Partnerin gewinnen konnte. Ihre vorläufige Bilanz fällt im Artikel des Landboten positiv aus.

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Über eine ungewöhnliche Hospiz-Statistik berichtete die Aargauer Zeitung AZ. Das Hospiz Stationär Palliative Care in Brugg verzeichnete im vergangenen Jahr offenbar 15 Austritte – dreimal mehr als im vorangegangen Jahr. Die Gründe für Austritte erklärt der Geschäftsführer des Hospizes Dieter Hermann gegenüber der Zeitung einerseits damit, dass sich mit der palliativen Betreuung der Zustand der Patientinnen und Patienten oft soweit verbessert, dass sie wieder nach Hause gehen können. Aber die starke Zunahme liegt vermutlich an einer anderen Entwicklung: «Leider kommt es auch vor, dass speziell Patientinnen von ihren Männern wieder nach Hause geholt werden, da ihnen der Lebensmittelpunkt genommen wurde», wird Hermann im Bericht zitiert. Pauschalisieren könne man zwar nicht, aber die Praxis im vergangenen Jahr zeige solche Fälle. Dass dies oft nicht dem Wunsch der schwerkranken Person entspreche, sei tragisch, aber real. Auch die anfallenden Kosten für die Betreuung im Hospiz können derweil ein Grund sein, dass Betroffene wieder nach Hause zurückkehren, bevor sie sterben. Laut Hermann will die Institution die Entwicklung im Auge behalten.

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Die kleine Palliativstation der Stiftung Diaconis in Bern steht unter Druck. Der «Bund» berichtete, der Kanton Bern könnte der Diaconis allenfalls die Betriebsbewilligung für die Palliative-Care-Abteilung entziehen. Das Notfallkonzept sei ungenügend, heisst es. Die Abteilung befindet sich derweil direkt neben dem Salemspital, das bei einem Notfall einspringen kann. Verschiedene Akteure kritisieren die Forderung des Kantons, die Notfallversorgung im Diaconis sei zu verbessern. Der Stiftungsdirektor Peter Friedli sagt: «Der bürokratische Aufwand pro Bett wird für uns als hoch spezialisierter Leistungserbringer immer grösser.» Die Kosten pro Patient steigen damit ebenfalls.

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Die Süddeutsche Zeitung nimmt eine Studie aus Kanada zum Anlass zu fragen: «Braucht die Palliativmedizin einen neuen Namen?». Die erwähnte Studie brachte zutage, dass viele Betroffene auf den Begriff «Palliative Care» mit Angst und Vermeidung reagieren, da sie das Konzept mit Hoffnungslosigkeit und Tod assoziieren (wir berichteten). Betroffene, die derweil früh im Krankheitsverlauf mit Palliative Care in Kontakt kommen, machen positive Erfahrungen damit – ohne allerdings die negative Assoziation zum Begriff zu verlieren. Die Süddeutsche zitiert diesbezüglich die deutsche Palliativmedizinerin Claudia Bausewein mit den Worten: «Die Kranken sagen oft, dass sie zunächst nicht hierher wollten – nach ein, zwei Tagen hört man von ihnen: Mein Gott, wäre ich bloss früher gekommen.» Den Grund dafür, dass viele Betroffene erst spät zu ihr in die Palliative-Care-Abteilung kommen, sieht sie nicht zuletzt beim medizinischen Personal: «Da auch viele Ärzte die Palliativmedizin mit dem Lebensende in Verbindung bringen, kommen etliche Patienten spät zu uns und sterben dann auch in Kürze.»

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Ebenfalls um Begriffe und deren Wirkung bei Betroffenen dreht sich ein ganz anderer Artikel in der Online-Ausgabe der «New York Post». Eine ehemalige Krebspatientin fordert im Titel ihres Beitrags: «Hört auf, die Lüge zu verbreiten, Krebs sei ein „Kampf“». Die Metapher des Kampfes sei komplett falsch, findet Mary Elizabeth Williams, die über ihre Erfahrungen auch ein Buch verfasst hat. Ein Kampf, so Williams, deute an, jemand entscheide sich für eine bestimmte Herausforderung, die er oder sie annehmen möchte – und die dann entweder erfolgreich gemeistert wird oder an der die betroffene Person scheitert. Täglich bestreite sie kleinere und grössere Kämpfe, aber ihren Krebs habe sie kein einziges Mal bekämpft. «Ich wurde mit Krebs diagnostiziert, ich lebte damit. Ich wurde dagegen behandelt, die Behandlung schlug an. Ich war, über alles gesehen, einfach eine Frau, die sehr krank wurde und nun nicht mehr krank ist.» Das Wort «Kampf», so Williams weiter, impliziere, dass die Genesung von einer Krankheit keine Sache der Medizin und des Glücks sei, sondern bloss eine Sache des starken Willens und der Mühe. Aber: «Wenn Anstrengung und Wille die einzigen Kriterien für eine Genesung wären, würden wir dann nicht alle ein langes und gesundes Leben führen?»

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Die Perspektive von anderen von Krebs Betroffenen nahm die NZZ auf: Die Kinder kranker Familienmitglieder. Unter dem Titel «Das harte Los pflegender Kinder» schildert der Artikel am Beispiel einer 17-Jährigen die Situation von Minderjährigen, die ihre auf Hilfe angewiesenen Angehörigen pflegen. Die Teenagerin Giulia hatte über längere Zeit ihre an Krebs erkrankte Mutter gepflegt und die Aufgaben im Haus übernommen. Nun, da die Mutter wieder gesund ist, möchte Giulia ihre Erfahrungen teilen mit anderen Betroffenen. Doch melden sich auf ihre Aufrufe keine Gleichgesinnte. «Die Betroffenen schweigen – aus Scham oder Angst», sagt Agnes Leu von Careum Forschung gegenüber der NZZ. Ein mehrjähriges Forschungsprogramm will sich nun dem Thema pflegender Minderjähriger annehmen.

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Von Kindern, aber von ganz kleinen und selber direkt betroffenen, handelt auch ein Artikel, der in der «Washington Post» erschienen ist. Die Journalistin Danielle Paquette begleitet darin Eltern von Kindern, die schon während der Schwangerschaft eine fatale Diagnose erhielten. Diese Kinder überleben nach ihrer Geburt nicht lange. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen. Und ihre Eltern überlegen sich nach der Diagnose oft ganz genau, ob sie die Schwangerschaft nicht vorzeitig abbrechen wollen. Porträtiert wird in diesem Bericht derweil in erster Linie die Betreuung, die schwerkranke Neugeborene in Denver von der Geburt an erhalten. «Perinatal Hospice Care» heisst das Betreuungskonzept. Ein sehr berührender Bericht darüber, was die Betreuung durch die nachgefragte Perinatal Hospice Care leisten kann und wie betroffene Eltern sie erleben.

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Vom «Sterbeort» wird viel gesprochen. Vom gewünschten, vom möglichen, vom tatsächlichen Sterbeort der Menschen und darüber, wie mehr Menschen am Ort ihres Wunsches sterben könnten. Was aber, wenn der Ort, an dem man sich nun einmal zum Zeitpunkt seines Sterbens befindet, einer ist, den man nicht verlassen darf? Im Rahmen des NFP 67 untersuchte ein Forschungsteam um Ueli Hostettler das Sterben im Justizvollzug. Die Insassen der Schweizer Gefängnisse werden immer älter – und sind entsprechend häufiger mit dem Tod konfrontiert, wie die NZZ in ihrem Bericht «Vergessenes Sterben in der Gefängniszelle» schreibt. Altern und Sterben hinter Gittern werde zu einem Stück Realität des Justizsystems, so die NZZ. Allerdings: Im Justizvollzug sei der Tod bis jetzt kaum Thema. Entsprechend lautet das Fazit der Studie zum Sterben im Justizvollzug, die die NZZ im Bericht vorstellt: «Der Justizvollzug ist schlecht auf sterbende Gefangene vorbereitet.» Palliative Care kann in den Gefängnissen kaum geleistet werden. «Der Aufwand ist enorm, weshalb sterbende Gefangene oft auch gegen ihren Willen in ein Spital verlegt werden. Das ist nicht selten auch für das Personal schwer zu ertragen», heisst es im Artikel. Und ausserdem: «Viele Gefangene haben Angst, nachts einsam und unbemerkt, alleine in der Zelle eingeschlossen zu sterben.» Solche Ängste äusserten Gefangene in Befragungen für die Studie. Befragte Gefängnismitarbeitende zeigten sich zudem überzeugt, dass es eine Anpassung der Vollzugsform brauche. In einem Kommentar zum Artikel gibt der Autor zu bedenken: (...) «das Zugeständnis eines Todes im Frieden mit sich selber ist Ausdruck der Menschenwürde und der persönlichen Freiheit, die auch für Gefangene gilt.»

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Ebenfalls in der NZZ erschien ein Artikel unter dem Titel «Ihr Wille geschehe». Darin wird die Geschichte einer Frau geschildert, deren Mutter mithilfe einer Organisation Suizid begeht. Anlass zum Bericht sind die neuesten Zahlen von «Exit»: Im vergangenen Jahr nahmen sich in der Schweiz 995 Menschen mit der Hilfe von Exit das Leben. In der Deutschschweiz ist ihre Zahl um circa 30 Prozent gestiegen. Rund 600 Menschen lassen sich durchschnittlich pro Jahr hierzulande von der Organisation in den Tod begleiten, Tendenz steigend. Die im NZZ-Bericht porträtierte Tochter lebt in Japan und empfindet den Entscheid ihrer Mutter als brutal. Sie findet: «Das Leben gehört doch nicht nur einem selbst, sondern auch den Menschen, mit denen man es teil.» In Japan sei der Familienzusammenhalt grösser, eine Entscheidung wie diese würde kaum im Alleingang getroffen, wird sie in der NZZ zitiert.

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In der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichte Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care an der Universität Zürich, ein Plädoyer dafür, dass auch Medizinstudierende in Spiritual Care geschult werden (wir berichteten). Wer als Ärztin oder Arzt patientenzentriert arbeite – wie es die medizinischen Fakultäten in der Schweiz heute ohnehin einfordern – müsse auch religiöse oder spirituelle Aspekte berücksichtigen, wenn diese für ihre Patientinnen und Patienten wichtig seien, schreibt er. Peng-Keller findet, aus Sicht der Medizinstudierenden gehe es weniger um zusätzliche Pflichten, als «um den Erwerb von spezifischen Kompetenzen im Umgang mit bereits bestehenden Aufgaben».

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Ein ansprechendes Web-Format zum Thema Palliative Care bietet das Online-Magazin der University of Alabama at Birmingham UAB. Unter dem Titel «The meaning of life» wird ausführlich dargestellt, was Palliative Care ist, welches Ziel Palliative Care verfolgt und was nötig ist, um eine entsprechende Versorgung gewährleisten zu können. Obwohl der Beitrag sehr linear verläuft und wenig interaktiv gestaltet ist, wirkt er nicht zuletzt dank schönen Illustrationen sehr ansprechend und hilft, aufzuzeigen, worum es letztlich geht (Englischkenntnisse vorausgesetzt).
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